Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 89 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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geregelten Dienst. Ganz besonders lehrreich sind die gewonnenen Angaben bei den nach Distrikten aufgeteilten Zahlen. In dem wohlhabenden IV. und VIII. Distrikt betrug die Sterblichkeit bei Juden an Tuberkulose im Jahre 1917 42,9, in dem ärmeren V. und III. Stadtbezirk dagegen 80,9 bzw. 79,2; in den Jahren 1921—26 dagegen für die ersteren Distrikte 8,6, für die anderen 15,5 bzw. 17,1. Man erkennt aus diesen wenigen Zahlen einmal den ungeheuren Unterschied innerhalb der Distrikte und ferner die Verschiedenheit zu anderen wirtschaftlichen Zeiten. Dabei sind die Verhältniszahlen aber doch fast die gleichen geblieben . Es erhellt jedenfalls aus diesen neueren Untersuchungen die ungemein große Bedeutung des wirtschaftlichen Faktors für die Tuberkulose, den auch Greenwood-London und Wolff- Berlin in einer neueren Arbeit für ganz andere Länder und unter ganz anderen Gesichtspunkten neuerdings als ausschlaggebend erkannt haben. Neu ist dieses Ergebnis, wie gesagt, an und für sich nicht. Es gewinnt jedoch unter Berücksichtigung der biologischen Einstellung zum Tuberkuloseproblem insofern eine große Bedeutung, als in der Bekämpfung die Frage der sozialen Lage und der sozialhygienischen Aufklärung in den Vordergrund gestellt wird, während man bisher der Konstitution und was viel wichtiger ist, der eugenischen, zielgesetztcn Höherzüchtung im Laufe der Generationen das Hauptaugenmerk zugewandt hatte. Die Tuberkulosebekämpfung ist ein Teil der allgemeinen Seuchenbekämpfung mit der noch besonderen Note, daß wir es hier mit einer chronischen Infektionskrankheit zu tun haben. Prinzipiell gilt natürlich für die Bekämpfung der Tuberkulose unter den deutschen Juden genau das gleiche wie für die Bekämpfung der Tuberkulose überhaupt. Tatsache ist, daß es unter den Juden in Deutschland viel Tuberkulose gibt. Die genaue Zahl zu ermitteln liegt nicht im Rahmen dieser Arbeit. Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft Jüdische Tuberkulosefürsorge mit der Zentrale in Berlin, aus deren Tätigkeitsbericht die verdienstvolle und segensreiche Arbeit ohne weiteres hervorgeht. Sie hat ihre Richtlinien den modernen Ansichten angepaßt. Sie schenkt der Vorbeugung, der Behandlung und der Nachsorge die nötige Beachtung. Für einen größeren Kreis der mit der Wohlfahrtspflege schlechthin Beschäftigten mögen diese Ausführungen die Aufmunterung zur Unterstützung dieses großen Werkes bedeu- 89