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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-03-01 · 2 (März-April 1929) · p. Seite 88

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
2 (März-April 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 88 (sequence 22)
Language
German
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völkerung. Er weist auf Grund der Erhebungen in Budapest z. B. nach, daß die Sterblichkeit bei den Juden relativ schon 1924/25 wieder wesentlich geringer war. Legt man die Sterblichkeit 1914 beiderseits als gleich hoch fest, so ergaben sich folgende Zahlen: Die Tuberkulosesterblichkeit betrug 1914..... bei Juden 100, bei Nichtjuden 100 1918..... bei Juden 165, bei Nichtjuden 200 1919..... bei Juden 133, bei Nichtjuden 149 1920 ..... bei Juden 125, bei Nichtjuden 140 1921/23 . . . bei Juden 99, bei Nichtjuden 121 1924 ..... bei Juden 100, bei Nichtjuden 115 1925..... bei Juden 74, bei Nichtjuden 91 Die Anpassung an die Verhältnisse geht bei Juden rascher vor sich. Geht man dieser Erscheinung nach, so erklärt sich nach Koralnik alles durch ganz natürliche Erscheinungen und das Wunder der jüdischen Mindersterblichkeit an Tuberkulose verschwindet. Die Erklärung wird deutlicher, wenn man diese ganzen Verhältnisse unter dem Gesichtspunkt der sozialen Schichtung begreift. Da stellt sich heraus, daß die jüdischen Frauen viel weniger im Berufsleben stecken, was die Tuberkulosesterblichkeit günstig beeinflußt. So starben 1922 in Lemberg von je 10 000 der Bevölkerung an Tuberkulose: jüdische Männer 27,0, jüdische Frauen 15,2, nichtjüdische Männer 56,2, nicht jüdische Frauen 40,0; also auch bei der nicht jüdischen Bevölkerung sterben weniger Frauen als Männer an Tuberkulose, es sind aber immerhin fast dreimal soviel nichtjüdische Frauen als die entsprechenden Männer, die nur das doppelte ausmachen. Aehnlich liegen die Verhältnisse für Amsterdam. Aus den ausführlichen Angaben über die Berufe mag nur zur Beleuchtung erwähnt sein, weil diese Zahlen sehr instruktiv sind, daß die jüdischen Handelsleute mit 8,7 Tuberkulosesterbefällen pro 10 000 der Bevölkerung vertreten sind, die nichtjüdischen Kaufleute mit 6,7. Dazu muß man wissen, daß unter den jüdischen Kaufleuten sich viel Handelsproletariat befindet, im Gegensatz zu den nichtjüdischen. Bei der Industriebevölkerung sieht das Bild ganz anders aus. Die Zahlen betragen für die in der Industrie beschäftigten Juden 9,4 für die Nichtjuden "32,8. Unter den im Bildungswesen Beschäftigten beträgt die Zahl unter den Juden 14,3, bei den Nichtjuden nur 8,6. Auch hier wieder entscheidet die wirtschaftliche Lage. Die im Bildungswesen tätigen Juden sind oftmals arme Lehrer in ganz kleinen Verhältnissen, die Polen dagegen sind Beamte mit einem festen Einkommen und einem 88

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