Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 83 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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lassung einer Narbe. Erkrankt nach einiger Zeit z. B. ein anderes Geschwister in der Familie, so ist man erstaunt und entsetzt und fahndet an falscher Stelle nach dem Infektionsherd. — Es ist klar, welche große Bedeutung dieser tuberkulösen Erkrankungsform beizumessen ist und daß es andererseits nur bei systematischer Untersuchung und Kontrolle gelingen kann, diese Herde aufzudecken und unschädlich zu machen, sie gewissermaßen im Keime zu ersticken. Es muß hier darauf hingewiesen werden, daß innerhalb einer geschlossenen Gruppe von Menschen, wie es die der Wohlfahrtspflege Unterstellten sind, diese systematische Erfassung besondere Aussichten auf Erfolg bieten kann. Bedeutsam jedenfalls ist die Tatsache, daß dieses Ereignis der akuten tuberkulösen Erkrankung in einer Umgebung auftritt, die einen tuberkulösen Seuchenherd darstellt, d. h. in einer Umgebung, in der ein Offentuberkulöser wohnt. Dies führt zu einer weiteren 3. Gruppe, den Tuberkelbazillenträgern, d. h. zu Menschen, die Tuberkelbazillen aushusten, ohne selbst die übrigen Zeichen der aktiven Tuberkulose zu zeigen. Dieses Ereignis ist gar nicht so selten, wie man gewöhnlich annimmt. Es handelt sich dabei um ruhende Kavernen auf tuberkulöser Grundlage, der Allgcmeinzustand dieser Menschen ist oft der denkbar beste. Besonders unter alten Leuten findet man solche Bazillcnspucker, Menschen, die gewissermaßen in einer Symbiose mit dein Tuberkuloseerreger leben und, biologisch gesprochen, sich im Immunitäts- Gleichgewichtszustand befinden. Wie viele von allen Leuten mit chronischer Bronchitis oder Asthma sind in Wirklichkeit Tuberkulöse, die ihre ganze Umgebung infizieren. Sie werden auch nur durch Zufall entdeckt, es sei, man kontrolliert systematisch alle Familienangehörigen. Mit diesen Erkenntnissen stehen wir bereits mitten im tuberkulösen Milieu. Gibt es ein tuberkulöses Milieu? d. h. welchen Berufs-, Arbeits-, Gesellschafts-, geographischen, klimatischen Kreisen gehört der Tuberkulöse an? Tuberkulose gibt es überall, wo es Tuberkelbazillen gibt. Und Tuberkelbazillen können zumindest überallhin zerstreut werden. Auch Kinder aus einem hygienisch einwandfreien Haus können von einer Pflegerin oder einer Hausangestellten angesteckt werden, von den späteren Möglichkeiten in Kindergärten, Schulen gar nicht zu reden. Die größte Vorsicht versagt hier. Im großen und ganzen jedoch ist zu sagen, daß die Tuberkulose eine Krankheit der Minderbemittelten ist, viele cr- 83