Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 80 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Erwerbslosen und wirtschaftlich Schwächsten sind zwar an keine bestimmte Aufenthaltsorte gebunden, sie haben aber draußen noch weniger Aussicht Erwerb zu finden, noch 6ind sie in der Lage, die Miete aufzubringen. Mit nachhaltiger Bekämpfung der Wohnungsmißstände muß also eine auch aus anderen Gründen erwünschte Berufsumstellung verbunden sein, durch die die Erwerbstätigen in größerer Zahl einer solchen Beschäftigung zugeführt werden, die nicht an die Geschäftszentren gebunden ist. Eine geeignete Industrie wäre eventuell in der Lage, mit Arbeitgeberdarlehen selbst Wohnungen zu schaffen. Daß dieses Siedlungswerk auch auf die religiösen Belange Rücksicht nehmen muß, soll hier anzudeuten nicht versäumt werden, da den Großgemeinden jedenfalls wichtige Aufgaben aus dieser Umsiedlung erstehen werden. Die Lösung des Problems liegt, ebenso wie die Ursachen der Wohnungsnot, in der Verquickung sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse, die nur im Zusammenhang endgültig gelöst werden können. Die Bedeutung der neuen Forschungsergebnisse über die Tuberkulose für die jüdische "Wohlfahrtspflege Von Dr. med. M. J. Gutmann, München. Die Tuberkulose ist eine heilbare Krankheit, ja noch mehr, sie ist — mit gewissen Einschränkungen — eine vermeidbare Krankheit. Und doch fordert sie unter allen Krankheiten immer noch die meisten Opfer. Dieser scheinbare Widerspruch bedarf einer Klärung. Ganz besonders bedeutsam werden diese Grundsätze unter Berücksichtigung der Tatsache, daß wir es hier nicht mit einer zwingenden Sterbensnotwendigkeit zu tun haben, wie das z. B. für die Alterskrankheiten gilt, sondern, daß die Tuberkulose gerade ihre meisten Opfer unter den jungen, noch nicht sterbereifen Individuen fordert im Gegensatz zum Krebs, der nächsthohen Todesursache, der, mit leider häufigen Ausnahmen, mehr eine Erkrankung des höheren Alters darstellt. Vom sozialen und sozialhygienischen Standpunkt aus ist diese Erkenntnis von hoher Wichtigkeit. Tritt doch in fast allen Richtlinien zur Gewährung von Heilver- 80