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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-03-01 · 2 (März-April 1929) · p. Seite 79

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
2 (März-April 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 79 (sequence 13)
Language
German
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Für die dritte Form würde nur eine Vertretung der geldgebendcn Stellen in der Leitung der Genossenschaften erforderlich sein. Ob einer oder mehrere dieser Wege zu gehen sind, hängt von den örtlichen Verhältnissen ab. Die größte Verantwortung, aber auch die größte Möglichkeit der Einflußnahme (unter anderem aucli auf die Beschäftigung jüdischer Handwerker und Firmen) bietet die eigene Genossenschaft. Es brauchten dabei durchaus nicht neue „Ghettos" gebaut zu werden. Diese Bedenken könnten durch Gruppenbauten in verschiedener Lage — den wechselnden Ansprüchen entsprechend — überwunden werden. Mit Geld und Initiative wären also schon Wohnungen zu beschaffen. Die Schwierigkeit wächst aber mit der Frage „Wer soll die Wohnungen beziehen?". Sollen die neuen Wohnungen, den gewünschten Zweck erfüllen, müssen sie außerhalb der dichten Bauzonc liegen. Sie müssen das aber auch wegen der Bodenpreise und Ausführungskosten, die bei der Ausfüllung von Baulücken an alten Straßen im allgemeinen höher sind. Als Mieter kämen zunächst Leute in Frage, die in der Nähe der Baustellen beschäftigt sind oder doch ihren Arbeitsplatz durch Verkehrsmittel erreichen können. Das sind also fast ausschließlich Angestellte in regelmäßiger Beschäftigung oder selbständige Gewerbetreibende mit Betrieben, die eine Trennung von Wohnung und Geschäft zulassen. Bis zu einer gewissen Grenze werden Geschäfte, Handwerker sowie freie Berufe auch in neu erschlossenen Gebieten lebensfähig sein. Eine gewisse Lockerung der gegenseitigen Konkurrenz im engen Umkreis wäre auch wirtschaftlich nur erwünscht. Es wäre zwar viel erreicht, wenn man schon einmal diesen Kreisen Wohnungen schaffen könnte, indessen wäre den am stärksten von der großstädtischen Wohnungsnot betroffenen Kreisen damit wenig geholfen, denn die große Masse der schlecht untergebrachten Großstadtjuden ist zu fest mit dem Geschäftsleben des Stadtkerns verbunden. Soweit sie eigene Geschäfte haben, wohnen sie dort bei ihrem Betrieb, häufig auch in eigenem Hause und haben dort ihre Kundschaft. Agenten, Vertreter, Vermittler, Stadtreisende und Händler haben in der Stadt die Möglichkeit, Geschäfte abzuschließen, finden dort ihre Stadtläger oder können jedenfalls die Kosten und den Zeitaufwand für regelmäßige Fahrten zur Stadtmitte von ihrem geringen Einkommen nicht tragen. 79

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