Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 74 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Hergang. Die eigenartige Verteilung der jüdischen Bevölkerung ist entstanden aus dem Zusammentreffen der Großstadtentwicklung mit der Umschichtung der jüdischen Bevölkerung. Der Fluß der jüdischen Bewegung vom Osten nach dem Westen und vom Lande in die Stadt ergoß sich vorwiegend in die Großstädte. Die Zunahme der jüdischen Großstadtbewohner verläuft ungefähr paralcll mit dem zahlenmäßigen Anwachsen der Großstadtbevölkerung. Während aber die Stadt sich von innen heraus nach außen entwickelte, mußte die jüdische Masse gerade den Stadtkern, den Brennpunkt des geschäftlichen und geistigen Lebens aufsuchen, da sie auf Grund ihrer Berufsgruppierung an der industriellen Randentwicklung der Großstädte wenig zahlenmäßigen Anteil hatte. Die Juden wohnten in der Großstadt, ohne selbst Großstädter zu sein. Sie zogen in bestimmte Quartiere zusammen, die nicht nur der wirtschaftlichen und sozialen Eingruppierung entsprechen, sondern die bevorzugt wurden, weil „man" d. h., der nahestehende jüdische Kreis dort wohnte. In diesen Gebieten entstanden auch die Synagogen und sonstigen Gemeindeeinrichtungen, die um so stärkere Anziehungspunkte wurden, je traditioneller die Zuströmenden eingestellt waren. Während Teile der Altstadt sich zum Geschäftsviertel entwickelten, wurden die angrenzenden, vom Verkehr umgangenen Gebiete, Proletariervicrtel mit dichtester Besiedlung in überalteten, überbelegten Häusern. Sie wurden zum Sitz des Alt- und Trödelhandels. Die früheren Bewohner der City aber, deren Mittel nicht zu „herrschaftlichen Wohnungen" ausreichten, wurden Opfer der großstädtischen Bauordnungen der 80er Jahre, die ihnen zwar breite Straßen, dafür aber die vielgeschossige Mietskaserne mit all ihren Nachteilen brachte. Auch die zwischen 1880 und 1900 besiedelten Vororte wurden nach diesen Bauordnungen aufgebaut, so daß sie den Minderbemittelten keine besseren Wohnungen zu bieten hatten. Zustand. Die Nachteile und Gefahren mangelhafter Wohnungen brauchen hier nur angedeutet zu werden. Die gesundheitlichen Gefahren zu kleiner, Licht und Luft entbehrender, vielleicht gar feuchter Wohnungen sind wohlbekannt. Sie zeigen sich am folgenschwersten in der erhöhten 74