Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Masse der Juden wohnt in den Gebieten der dichtesten Besiedlung und der schlechtesten Wohnungen, abgesehen von den ausgesprochenen Slums. Dabei sind die Wohnungsverhältnisse in Köln, gemessen an anderen Großstädten verhältnismäßig günstig. Die durchschnittliche Besiedlungsdichte (Anzahl der Bewohner pro Hektar bebaute Fläche) war 1907/08 in Köln 318, Berlin 723, Hamburg 380, Breslau 414. Der Anteil an Wohnungen mit weniger als drei Räumen betrug 1916 in Köln 26,51o/o, Berlin 41"/o, Hamburg 4,6'Vo, Breslau 34% von der Gesamtzahl der Wohnungen. (Angaben nach R. Eberstadt „Handbuch des Wohnungswesens" Jena 1920.) Der Anteil der Häuser mit mehr als zehn Wohnungen betrug 1927 in Köln 2,4",'o, Berlin 33,3<>/<j, Hamburg 26,1 «/o, Breslau 44,4"/0 von der Gesamtzahl der Wohnhäuser (Wirtschaft und Statistik 1928, Heft 23). Aber auch die Zahl der Juden in Köln ist nur verhältnismäßig gering. Sie beträgt: Jüdische I!i wulinur Ii- % der Si.nltbevöl Itcnirij; o' Hur IV u< r deu'sclion Juden (riOOOoU) etwa in Köln (1925) .... IS 807 2,25 3,2 gegenüber 1928: (1871) 36105 172 671 4,26 35 Hamburg . . . (1871) 13 794 19 904 1,73 8,8 Breslau .... (1885) 17(i.!5 2 l 000 4,28 4,8 Frankfurt a. M. (1885) 15 554 29 385 (i,4 5,9 Leipzig .... — 14 000 2,2 2,8 München .... (1885) 4 854 10 068 1,57 2,0 (Angaben nach „Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland", herausgegeben von der Zentrahvohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Ausgabe 1928, Ruppin „Juden der Gegenwart", Segall „Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München", Stat. Jahrbuch der Deutschen Juden 1905.) Man kann sich über die Wohnungsverhältnisse der großstädtischen Juden nicht damit hinwegsetzen, daß die Wohnbedingungen in den Großstädten nun einmal nicht besser sind, und daß die modernen Siedlungsprinzipien schon von selbst für Abhilfe sorgen werden. Während von der Gesamtbevölkerung nur 27% in Großstädten lebt, wohnt die überwiegende Mehrzahl der deutschen Juden in Großstädten, und gerade der für den zahlenmäßigen und religiösen Bestand wichtigste Teil in überfüllten Wohnquartieren oder in mangelhaften Wohnungen. Darin liegt die Wohnungsnot der Großstadtjuden und ihre Bedeutung für die jüdische Gesamtheit. 73