Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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und persönlich für Abstellung zu sorgen. So haben ihre Reisen in den Osten und in den Orient Mängel im Leben der jüdischen Gesellschaft aufgedeckt, und sie hat in ihren Untersuchungen auch die letzten Schritte nicht gescheut, um in Gebiete einzudringen, die sonst ängstlich vor der jüdischen Oeffentlichkeit verschlossen waren. Die Zusammenarbeit mit ihr ist immer bereichernd und erfolgreich gewesen, doch hat sie es ihren Mitarbeitern, die sich infolge der Kraft ihrer Persönlichkeit um sie scharten, nie leicht gemacht. In ihrem Ringen um das Wesen des Judentums hat sie in der Unbedingtheit ihrer Forderungen stets nur die weitesten Ziele und die vollendetsten Formen ,zur Erreichung dieser Ziele anerkennen wollen. Jede nicht auf das Absolute gerichtete Handlung, jede Einschränkung des Zieles bedeutete ihr persönlichen Schmerz, und dieser Schmerz ist immer wieder in der Gemeinschaft mit ihren Mitarbeitern zum Ausdruck gekommen. Jede Halbheit und jede begrenzte Leistung wurde abgelehnt unter Ausschaltung der Würdigung der Entwicklungsgesetze, die die Leistungen der Menschheit in Wesen, Zeit und Form begrenzen. Für sie gab es nur die Absolutheit der Hingabe, und nur dieser wurde Anerkennung und Verständnis zuteil. Ihre Liebe zum Judentum ist so groß, daß jede Nichterfüllung ihrer absoluten Forderungen zur Vollendung im Judentum ihr Nichtachtung und Verletzung bedeutete. Aus dieser ihrer Wesensart heraus wurden viele auf ihrem Wege von ihr als zu leicht befunden und gaben den Kampf mit ihr auf oder wurden von ihr aufgegeben. Nicht aufgegeben wurde von allen, die mit ihr in Berührung kamen, der Glaube an die Größe ihrer Persönlichkeit und an die Reinheit ihres Wollens, und diese Erkenntnis wird ihrer Lebensarbeit jetzt und in Zukunft die lebendige Kraft ihrer Wirksamkeit ins Weite, wie sie ihrem Wesen entspricht, ermöglichen. Die Entwicklung des Judentums der Gegenwart hat ihr zu danken und ist ihr in alle Zukunft verpflichtet. Wr. 70