Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bertha Pappenheim Zu ihrem 70. Geburtstag Auf allen Wegen, die die moderne jüdische Wohlfahrtspflege in den letzten Jahrzehnten gegangen ist, begegnet uns an entscheidender Stelle immer wieder der Name Bertha Pappen heims. Sic ist das lebendige Gewissen und der mutige Zukunftsbildner unserer Zeit. Sic hat als erste die Bedeutung der Frauenbewegung für die Juden erkannt mit ihren Vorzügen und mit ihren Gefahren. Ihr ist die erste Anstalt zum Schutze der ledigen Mutter und ihres unehelichen Kindes zu danken zu einer Zeit, als man in jüdischen Kreisen die Tatsache der unehelichen Mutter nicht erkennen wollte. Sie hat für die gefährdete weibliche Jugend die ersten Schutzmaßnahmen getroffen und hat auf die Tatsachen des jüdischen Mädchenhandels und der jüdischen Prostitution hingewiesen. Sic hat die Auflösung der Familie in allen ihren Ursachen beobachtet und die schwerwiegenden Folgen vorausgesehen. Ihr ist es gelungen, die Aufmerksamkeit auf das unzureichende jüdische Anstaltswesen und die Wege zu einer Reform hinzulenken. Viele Erfolge sind ihrer warmen und mutigen Kampfesarbeit zu danken: die Organisation der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland, — die Begründung des Isenburger Heims mit seinem einzigartigen Familiencharakter, in dem die ledige Mutter mit ihrem Kind eine gestaltende Rolle spielt, — die Errichtung der Zentral wo h 1 - fahrtsstellc der deutschen Juden, — Maßnahmen für die sexuell gefährdete jüdische Frau und für die Bekämpfung der Tuberkulose sind auf ihre Anregungen zurückzuführen. Ihr Einfluß beruht vor allem in ihrer Persönlichkeit, die ganz in der Forderung des Absoluten begründet ist, die selbst stets bereit war, Zeit und Kraft herzugeben, um die Notstände, die sie erkannt hatte, persönlich zu erforschen 69