Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4794429-4929550-8238431--064-4794490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liehen Aufsicht unterstellt und läßt sich in hygienischen Fragen von uns beraten, so daß man die Kinderhilfe wohl als eine zentrale Stelle jüdischer Sozialhygiene bezeichnen kann. Ihre steigende Inanspruchnahme beweist ein Vergleich der Konsultationszahlen der Poliklinik, die im Jahre 1924 6800 und im Jahre 1927 12 000 betrugen. Die Kinderhilfe begeht heute einen Tag des Dankes. Es sei deshalb auch mir vergönnt, all denen, die unserer Arbeit mit Rat und Tat Helfer und Förderer gewesen sind, herzlichst zu danken. Mögen sie uns auch weiter treu zur Seite stehen, denn der heutige Tag bedeutet nicht ein Ziel, sondern eine Weihe zu neuer Arbeit; unsere Aufgabe im Dienste des jüdischen Kindes ist eine unendliche. Danken wollen wir heute auch den Müttern unserer Kinderhilfskinder. Die jüdische Gemeinschaft schuldet ihnen den größten Dank für die unendliche Liebe und Mühe, mit der sie ihre Kinder trotz der erbärmlichsten Lebensbedingungen zu Menschen erziehen. Wir danken ihnen für das Vertrauen, mit dem sie uns ihre Kinder bringen, danken ihnen, daß wir ihre Sorgen teilen, ihnen raten und helfen dürfen. Herta Neufeld. Generalversammlung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz, Sitz Köln. Am 25. November 1928 tagte in Düsseldorf unter dem Vorsitz von Herrn Bernhard Feilchenfeld- Köln die Generalversammlung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz. Der Tätigkeitsbericht des Provinzialverbandes, der von der Geschäftsführerin, Frl. Dr. Frida Bier, verlesen wurde, gab Aufschluß über den Verlauf der Organisationsarbeiten und über den gegenwärtigen Umfang des Verbandes: er umfaßt 50 Gemeinden und 77 Vereine. Die Einnahmen der Gemeinden und Vereine betrugen in der Zeit vom 11. Oktober 1927 bis 20. Oktober 1928 M. 18 733,—. Für 1928 waren bis Ende November M. 6 551.— eingegangen. Aus öffentlichen Mitteln sind insgesamt M. 4 170.— beschafft worden. An Unterstützungen wurden M. 3 513.16 verausgabt. Im Bericht wurde sodann besonders die sich auf fast alle Gebiete der Wohlfahrtspflege erstrekkende Auskunfts- und Beratungstätigkeit des Verbandes dargelegt. Der Kassenbericht ergab, daß der Verband gegenwärtig über M. 10 731.20 verfügt. Vorstand und Kassenprüfer wurden wiedergewählt. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden war vertreten durch Frl. Dr. Kronheimer. Sie sprach über „Berufsberatung als Erziehungsmittel" und ging in ihrem Vortrag von der allgemeinen sozialpädagogischen Bedeutung der Berufsausbildung aus, betonte sie in ihrer Wichtigkeit für das schulpflichtige Alter und erörterte die Fragen beim blinden, beim taubstummen, bei dem als Krüppel geborenen Kind. Die Schwierigkeit bei der Berufsausbildung Schwachsinniger und Psychopathen wurde besonders eingehend behandelt. Im Zusammenhang mit der Frage der Berufsausbildung der gefährdeten Jugendlichen wurde nachdrücklich auf die Notwendigkeit der Errichtung von Lehrwerkstätten für schulentlassene männliche Jugendliche hingewiesen. Die Berufsausbildung in den Fürsorgeerziehungsanstalten und der Stand der Reform der jüdischen Fürsorgeerziehung wurden eingehend dargestellt. Schließlich wurde auf die Folgen des Geburtenausfalles 56