Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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einzelne Arbeits- und Fragengebiete hat der Ausschuß besondere Referate eingerichtet, die durch besonders an der Arbeit beteiligte Rabbiner verwaltet werden. Solche Referate bestehen zurzeit für JugendrUrsorge und Berufsfragen, Studentenfragen,Gefährdetenfürsorge, für Bekämpfung des Mädchenhandels, Sexualethik, Kleinrentnerfürsorge, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge, Durchwandererfürsorge, Arbeiterlragen, körperliche Schulung und Hygiene, Bevölkerungsfragen und Mischehen, Krankenhausseelsorge und Bodenreformfragen. Zu einzelnen wichtigen Fragen der Arbeit hat der Soziale Ausschuß Rundbriefe an die deutschen Rabbiner herausgehen lassen. Seit dem 1. Februar 1928 liegt die Verbindung mit den Mitgliedern im Reich und die laufende Arbeit in den Händen einer Geschäftsstelle, die mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Bürogemeinschaft steht. Die Geschäfte werden unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Emil Levy von zwei jungen Theologen, Studierenden an den beiden Berliner Rabbiner-Lehranstalten, geführt, die auf diese Weise auch praktisch in die soziale Arbeit eingeführt werden. Die Geschäftsstelle beschäftigt sich zurzeit insbesondere mit Fragen der Gefangenenseelsorge und -fürsorge, mit der Bearbeitung einer Umfrage über die Belegung der Irren- und Nervenheilanstalten mit jüdischen Insassen, sowie mit Fragen der Neuorganisierung der Krankenhausseelsorge. Ferner soll besonders die stärkere Mitarbeit in der Studentenhilfe, in der Jugendpflege und in der Gefährdetenfürsorge angebahnt werden. Auf den großen internationalen Tagungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege: der Mädchenschutzkonferenz 1927 in London und den Internationalen Sozialen Kongressen in Paris 1928 war der Soziale Ausschuß durch Herrn Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig und Herrn Rabbiner Dr. Emil Levy vertreten. Umschau Jüdische Sozialarbeit Jüdische Kinderhilfe Die nachfolgenden Ausführungen sind der Inhalt einer am 28. Oktober 1928 gehaltenen Ansprache bei der Einweihung der neuen Räume, Auguststr. 14/15. Die jüdischen Kinder sind Träger einer Jahrtausende alten Kultur und einer Jahrtausende alten Schicksalslast. Es gibt Epochen und Länder, die uns diese Tatsache fast vergessen lassen und es kommen Ereignisse und Zeiten, die sie in ihrer ganzen Größe und Schärfe vor uns hinstellen. Die uns zeigen, was unsere Gemeinschaft an ideellen Werten besitzt und uns gleichzeitig klar erkennen lassen, wie sehr der Fortbestand dieser Kultur durch ihre Kindernot bedroht ist. Wir leben heute in einer Zeit, in der aus dem Innern der deutschen Judenheit heraus dieses Problem aufgestiegen und zu einem brennenden geworden ist. Vor 8 Jahren wurde uns die gleiche Frage durch katastrophale Ereignisse von außen gestellt. Krieg, Pogrome und Massenwanderungen hatten Tausende jüdischer Familien zerstört, ihre Kinder schutz- und heimatlos gemacht. Erschüttert von der hieraus erwachsenden Kinder- 54