Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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jeder schnell. Jetzt wissen und lehren wir wieder, daß auch die irrationellen Seiten des Lebens genau so zur Tätigkeit des Arztes gehören, wie die Biologie: Aus der Vereinigung beider setzt sich das eigenartige Wesen unseres Schaffens zusammen. Meiner innersten Ueberzeugung nach wird erst dann der Mensch zum Arzt, wenn er mit seinen Kranken verbunden ist durch gemeinsames Verstehen in den letzten Fragen des körperlichen und seelischen Lebens. Dann schafft der wissenschaftlich gebildete und wissenschaftlich denkende Arzt in jeder ärztlichen Handlung ein neues Werk, das die innigsten Beziehungen hat zu den Gebilden der reinen Wissenschaft wie der reinen Kunst, und das zugleich an unsere höchste menschliche Beziehung heranrührt." Es wird uns in der heutigen Zeit nicht leicht gemacht, diese Gedankengänge durchweg in die Wirklichkeit umzusetzen; und doch — es gibt nur diesen Weg, wollen wir unsere Bestimmung erfüllen. Frei von allem Konventionellen und frei von bürokratischer Engherzigkeit müssen wir unseren Kranken gegenüberstehen, nur dann werden wir imstande sein, unseren Heilplan richtig aufzustellen. Nur, was den ganzen Menschen fördert und darüber hinaus unsere menschliche Gemeinschaft darf uns Indikation für unser ärztliches Tun sein. So notwendig es bleibt, weiter zu forschen, das normale und krankhafte Geschehen zu ergründen, die Forschungsergebnisse anderer zu prüfen, zu benutzen und auszubauen, unser ganzes therapeutisches Handeln darf nur dem kranken Menschen und seiner Eigenart gelten. Nützen müssen wir ihn können, wirklich nützen, sonst ist unser Tun fantastisch. Das Mittel hierzu ist uns gleichgültig, die Technik darf nur ein Behelf sein, nie ein Zweck. In der orthopädischen Chirurgie ist unser Eingriff, ob blutig, ob unblutig, stets nur diktiert von der erkannten Notwendigkeit, nie von unserem Können, das so leicht verführt. Unser Können aber ist begrenzt. Nicht alles Krumme in der Welt und an den Menschen können wir gerade machen, deshalb sollen wir nicht zu temperamentvoll an Aufgaben herangehen, deren Lösung mit größeren Gefahren verbunden ist, als der Nutzen, den sie stiftet, rechtfertigen kann. Dort, wo unser Können versagt, sollen wir nicht Zeit und Kraft verlieren, 50