Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mit Mildtätigkeit und Mitleid, die an anderen Stellen besser zur Geltung kommen. Die Funktion, die Leistungsfähigkeit ist unser Ziel. Ueberall, wo gestörte Funktion die Leistungsfähigkeit verringert, werden wir versuchen, die Funktion wiederherzustellen oder zu bessern; belanglose Funktionsdefekte, welche die Arbeits¬ und Erwerbsfähigkeit nicht beeinträchtigen, dürfen wohl Gegenstand einer Behandlung werden, aber keiner Vielgeschäftigkeit als Grund dienen. Fehlform und Fehlfunktion zu verhüten und zu bekämpfen ist der richtige Zeitpunkt zu wählen, dann werden beide im erwerbsfähigen Alter des Patienten sich nicht als schwere Schäden für den Einzelnen und die Gesamtheit auswirken. — Nicht in der Kompliziertheit unserer Methoden erblicken wir das Heil. Mit möglichst einfachen Eingriffen ist die Funktion zu verbessern, nachdem die Form korrigiert ist. Der therapeutische Eingriff ist nur ein Glied in der Kette unserer Bemühungen; vor und nach demselben muß alles versucht werden, was zum Ziele führen kann. Wir brauchen Helfer bei unserer Arbeit. Sie sollen eingeweiht sein in den Sinn und das Ziel unseres orthopädischen Tuns. So sieht der Weg aus, den wir beschreiten. Auf demselben stehenbleiben, heißt den Kranken aus der Behandlung geheilt entlassen, ohne sich weiter um sein Leben zu kümmern. Die Frage: Was nun? kann unser Patient draußen im Leben als selbständiger freier Mensch sich behaupten, kann er mit der ihm verschafften Funktion seinen oder einen Beruf konkurrenzfähig ausüben, kann er arbeiten, Geld verdienen, leben? muß uns im höchsten Maße interessieren, und die Beantwortung dieser Frage rückwirkend unser therapeutisches Handeln beeinflussen. Freilich werden Berufsberatung, Schulung, Arbeitsvermittlung eine wichtige Rolle in dem weiteren Leben des Patienten spielen. Hoch werten wir die Mithilfe aller Organe, die sich mit diesen Faktoren beschäftigen. Die Deutsche Krüppelfürsorge und ihre Organisationen, an deren Ausbau Professor Konrad Biesalski unvergängliche Verdienste hat, zeigen uns hier den Weg, das preußische Krüppelfürsorgegesetz gibt uns die Richtlinien an, denen wir zu folgen haben. 51