Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bei dem Betreten der Arbeitsstätte, an der vor Jahren schon im ehemaligen Jüdischen Krankenhause tausende Menschen Heilung und Hilfe in den verschiedensten Leiden gefunden haben, gedenke ich dankbar der Männer, die meine Lehrer gewesen, und deren menschlicher Güte und ärztlicher Kunst nachzustreben selbstgewählte Pflicht bleibt. H o f f a ' s und Hildebrand's Manen sollen bei uns eine würdige Heimstätte finden und neben diesen Beiden die Erinnerung an alle Jene gewahrt bleiben, welche beigetragen haben, die orthopädische Wissenschaft zu fördern und zu bereichern. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat in großzügiger Weise materielle Mittel bereitgestellt, unsere Räume neu herzurichten und die instrumentelle Einrichtung zu ermöglichen. Ihr und besonders dem Vorsitzenden ihres Vorstandes, Herrn Kommcrzienrat Gerson Simon, sage ich von dieser Stelle meinen aufrichtigsten Dank. Ebenso danke ich allen jenen Damen und Herren, welche in großzügiger Weise mitgeholfen haben, unseren Kranken und unserer Arbeit eine würdige Stätte zu schaffen. In nachahmenswerter Bescheidenheit haben sie gebeten, ihre Namen zu verschweigen. In den Ergebnissen unserer Arbeit mögen sie den Dank für ihre Förderung erblicken. Das Leben soll ein Continuum sein und eins sich aus dem andern ergeben. Eine ununterbrochene Kette von Arbeit war das meine im ersten Vierteljahrhundert meiner ärztlichen Tätigkeit. Deshalb brauche ich nicht mit einem Programm vor Sie hinzutreten, nur einen Blick auf den Weg, den ich gehen will, und auf das Ziel, das ich mir gesteckt habe, möchte ich mit Ihnen tun. Menschlich und ärztlich sind die Forderungen, die wir an uns zu stellen haben. Ich kann sie nicht besser zusammenfassen als mit den Worten unseres großen deutschen Klinikers Krehl, welche derselbe im Juni dieses Jahres in Leipzig gesprochen: „In der Zeit der rein naturwissenschaftlichen Orientierung der Medizin war das Irrationelle von der Tätigkeit des Arztes offiziell ausgeschlossen. Sie sollte wertfrei, eben rein biologisch sein. So wurden wir Alten wenigstens gelehrt. Daß der Arzt damit nicht auskommt, merkte natürlich in der Praxis 49