Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4794429-4929550-8238431--055-4794481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
um so niedrigere Geburtenziffern im Durchschnitt auf, je größer sie sind, und geistige Arbeiter und Kaufleute haben weniger Kinder als Handwerker und Handarbeiter. Die werktätigen Altersklassen sind in gesundheitsfürsorgerischer Hinsicht im allgemeinen ausreichend versorgt. Die Sozialversicherungen erfassen über 90 Prozent. Die Juden werden freilich anteilmäßig wahrscheinlich weniger von ihnen erfaßt, weil die Zahl der selbständigen Existenzen größer ist. Darunter befindet sich allerdings ein außerordentlich hoher Prozentsatz kleiner und kleinster Betriebe, deren Inhaber nicht in der Lage sind, für sich und ihre Familie die Kosten einer längeren Krankheit zu bestreiten. Diese kleinen selbständigen Gewerbetreibenden sind den Fährnissen des Lebens viel wehrloser ausgeliefert als Arbeiter und Angestellte. Die Anhäufung dieser wirtschaftlich schwachen selbständigen Gewerbetreibenden kann man wohl als eine jüdische Besonderheit bezeichnen und kann daher fordern, daß die jüdische Gemeinde durch Errichtung jüdischer Krankenanstalten und Polikliniken diese Not zu lindern sucht. Diese Anstalten dienen auch der Aufnahme frommer Glaubensgenossen, die auch in der Krankheit den Riten und Geboten der Religion folgen wollen. Gerade die medizinische Forschung der Gegenwart hat den großen Einfluß gemütlicher Zustände auf den Ablauf der Krankheit studiert und damit uralte praktische Erfahrungen bestätigt. Diese engen Beziehungen zwischen seelischem und leiblichem Gleichgewicht veranlaßt die jüdische Wohlfahrtspflege, sich der Altersversorgung besonders liebevoll anzunehmen. Für absehbare Zeit werden — das steht im Zusammenhang mit der erwähnten Verschiebung im Altersaufbau — die hohen Altersgruppen immer dichter besetzt werden, die Zahl der alten Leute wird zunehmen. Ihre Versorgung ist durch die bekannten wirtschaftlichen Notstände der Nachkriegszeit (Vermögensverfall, Wohnungsnot usw.) besonders dringlich. Der Bau von Altersheimen ist eine wesentliche Aufgabe der jüdischen Gemeinde. Alte Leute beschäftigen sich erfahrungsgemäß lieber und häufiger mit religiösen Fragen als die im Lebenskampf Stehenden. Zum 47