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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-01-01 · 1 (Januar-Februar 1929) · p. Seite 46

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
1 (Januar-Februar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 46 (sequence 48)
Language
German
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angestrengt werden, daß die körperliche Entwicklung darunter leidet, ist eine kaum bestrittene ärztliche Erfahrung. Bietet demnach die Fürsorge für normale Schulkinder keinen Anlaß zu Sondermaßnahmen der jüdischen Wohlfahrtspflege, so gibt ihr die Erziehung anormaler Kinder mancherlei Gelegenheit zu wünschenswerter Hilfe. Mit Recht ist für jüdische Kinder mit grob wahrnehmbaren Gebrechen wie Taubstummheit oder Blindheit von der jüdischen Wohlfahrtspflege seit langem gesorgt. In neuerer Zeit fordern aber gerade jene schwerer feststellbaren weil unauffälligeren Grenzzustände unsere Aufmerksamkeit. Die Psychopathenfürsorge gewinnt immer mehr an Bedeutung, entsprechend der wachsenden Zahl der Psychopathen und entsprechend den Schwierigkeiten, die ihnen die Einordnung in das soziale Leben bereitet. Nicht nur ihres allgemein dürftigen Ausbaus wegen sollte Psychopathenfürsorge auch von der jüdischen Wohlfahrtspflege betrieben werden, sondern weil in ihr ohne Mitarbeit der Eltern Erfolge kaum zu erwarten sind. Der Verkehr zwischen Eltern und Fürsorgern ist aber in der Psychopathenfürsorge besonders schwierig, weil das Nerven- und Seelensystem auch der Eltern gewöhnlich geschädigt ist. Der gemeinsame Glauben kann hier zu einer Brücke werden. Am Ende der Schulzeit steht die Berufsberatung. An ihr sollte die Wohlfahrtspflege der jüdischen Gemeinde tatkräftig mitarbeiten. Wie in dem Rahmen dieser Uebersieht nur eben angedeutet werden kann, ist für Bestand und Gesundheit des deutschen Judentums eine Aenderung in der Berufsverteilung dringend nötig. Die Anhäufung der Juden in den Großstädten — in Berlin allein lebt fast die Hälfte der preußischen Juden —, die Vorliebe für intelektuelle Berufe birgt für die Gesundheit, den Bestand des Judentums große Gefahren in sich. Die Schwierigkeiten, die einer Umstellung entgegenwirken, sind zwar riesengroß. Dennoch sollte die jüdische Gemeinde nicht ablassen, durch eigene Stellen für Berufsberatung in diesem Sinne zu arbeiten. Der Sozialhygieniker nimmt an diesem Problem regsten Anteil, weil die gegenwärtige Berufsverteilung der Juden eine Hauptursache des den allgemeinen Durchschnitt übersteigenden Geburtenrückganges ist. Denn die Städte bringen 46

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