Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Einrichtungen der politischen Verbände von der Caritas unüberlegt nachgeahmt, so häufen sich manche Einrichtungen überflüssig an, während sich auf der anderen Seite schmerzlich fühlbare Lücken auftun. Was dem Sozialhygieniker in der Wohlfahrtspflege der jüdischen Gemeinde unnötig, was nötig erscheint, wo ihm ein Aufbau, wo ein Abbau angezeigt scheint, sei in den folgenden Zeilen angedeutet. III. Füglich fangen wir mit der Not an, die am Bestand des Judentums rüttelt, mit dem Geburtenrückgang. Die Geburtsziffer der jüdischen Bevölkerung bleibt, wie schon erwähnt, nicht unerheblich hinter dem Durchschnitt zurück, obwohl allgemein in Deutschland ein gewaltiger, in so kurzer Frist in aller Geschichte nie beobachteter Rückgang der Geburtenziffer festzustellen ist. Während z. B. in Preußen im Jahrfünft 1876/80 auf je 1000 Juden durchschnittlich 32 Geburten trafen, sank diese Ziffer auf 17 im Jahrfünft 1905/10 und betrug unter anhaltendem Sinken im Jahre 1925 nur noch 13, also nur noch etwa 40 °/o der Geburtenziffer von 1876/80. Wenngleich auch bei der christlichen Bevölkerung ein dauernder Geburtenrückgang festzustellen ist, so entfielen jedoch immerhin auf je 1000 der christlichen Bevölkerung Preußens 21 Geburten im Jahre 1925 (gegen 13 bei der jüdischen). Der Unterschied ist so bedeutend, daß die christliche Bevölkerung noch immer einen Geburtenüberschuß hat, bei den Juden hingegen die Zahl der Sterbefälle die der Geburten bereits übersteigt. Die Zahl der deutschen Juden müßte also schnell und beständig sinken, wenn sie nicht durch die östliche Zuwanderung aufgefüllt würde. Das Problem des Geburtenrückganges ist zwar nicht nur jüdisch, nicht einmal nur deutsch, sondern überschattet alle Kulturländer. Daher haben auch Gesetzgebung und Verwaltung der vornehmlich betroffenen Staaten mancherlei Abwehrmaßnahmen ergriffen (Steuerliche Entlastung, Gehalts¬ und Lohnzulagen, Erziehungsbeihilfen u. a. m. für Kinderreiche.) Trotzdem muß die jüdische Wohlfahrtspflege in diesem Kampfe kräftig mitwirken. Nicht nur weil bei den Juden das Problem ganz besonders brennend ist, sondern weil die von Gesetzgebung und Verwaltung getroffenen Maßnahmen nicht so stark sind, daß sie einen Anreiz zur Ge- 43