Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4794429-4929550-8238431--049-4794475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine solche Gruppe stellt nun die Judenschaft dar — freilich nur innerhalb sehr enger Schranken. Die Judenschaft sozialhygienisch zu beleuchten, ist außerordentlich schwierig, falls man hierbei, wie in aller Wissenschaft sonst, voraussetzungslos zu Werke gehen will. Der wertlose Wust der Tendenzschriftstellcrei konnte nur deshalb zu diesem mächtigen Umfange gedeihen, weil er sich um einwandfreie Methodik gar nicht kümmerte. Für die wissenschaftliche Betrachtung beginnt man erst, die Bausteine mühsam zusammenzutragen. Keineswegs ist es angängig, Unterschiede in Kränklichkeit (Morbidität) und Sterblichkeit (Mortalität) zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung ohne weiteres als Rassenmcrkmale zu bezeichnen. Zweifellos sind die meisten Unterschiede bedingt durch soziale Verschiedenheiten. Die Voraussetzung einer besonders auf die Juden gerichteten Sozialhygiene und Wohlfahrtspflege ist die Kenntnis der sozialen Gliederung der Juden mit Hinweis auf die Abweichungen der andersgläubigen Bevölkerung. Sozialhygienisch höchst bedeutsam ist der Altersaufbau einer Volksgruppe. Die Juden — wir betrachten hier immer nur die deutschen Juden — haben den traurigen Ruhm, in der Beschränkung der Kinderzahl die Spitze zu halten. Diese Kinderarmut spiegelt sich in der Statistik so, daß bei den Juden die jugendlichen Altersklassen dünner, die älteren dichter besetzt sind, als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Wenn also gewisse Krankheiten, wie etwa Zuckerharnruhr oder Krebs bei den Juden, bezogen auf ihre Gesamtzahl, häufiger vorkommen als dem Bevölkerungsdurchschnitt entspricht, so kann das daran liegen, daß diese dem höheren Alter zugehörigen Krankheiten bei den Juden anteilmäßig mehr Menschen vorfinden als beim Durchschnitt des deutschen Volkes. Um richtig zu urteilen, darf man daher nur gleichaltrige Gruppen vergleichen. Falls sich erwiese, daß auch bei solchem Vergleiche die Juden ungünstiger abschnitten, so müßte man noch prüfen, ob andere soziale Verschiedenheiten wie etwa Beruf, Wohlhabenheit usw. als Ursachen für die geringere Widerstandskraft der Juden gegen Zuckerkrankheit oder Krebs in Betracht kommen. Erst wenn alle diese Dinge 41