Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Was für Aufgaben fallen der Sozialhygiene in der jüdischen Gemeinde-Wohlfahrtspflege zu? Von Dr. med. Gustav Tugendreich-Berlin. I. Die soziale Hygiene studiert die Einflüsse, welche die soziale Bindung auf die Gesundheit des Menschen und der Menschengruppen ausübt. Während die normale, besser normative, Hygiene darlegt, etwa wie Wohnung, Kleidung, Ernährung usw. beschaffen sein müssen, damit sie die Gesundheit nicht schädigen, sondern bewahren und heben, setzt sich die soziale Hygiene die Aufgabe, Wohnung, Kleidung, Ernährung kennenzulernen, wie sie auf Grund der mannigfaltigen sozialen Bedingungen tatsächlich sind; sie deckt die gesundheitlichen Schäden auf, die sich dardus ergeben, daß die wirklichen Lebensbedingungen mehr oder minder weit hinter den Forderungen der normativen Hygiene zurückbleiben; sie gibt endlich die Wege an, wie diese aus der sozialen Ordnung erwachsene Gefährdung der Gesundheit zu beseitigen oder doch zu verringern ist. Es ist klar, daß bei der Lösung vieler Fragen die Sozialhygiene das Gebiet der „reinen" Sozialwissenschaften berührt und schneidet; wird sie doch von manchen Forschern den Sozialwissenschaften zugezählt. Jedenfalls bedient sie sich häufig sozialwissenschaftlicher Methoden, so der Statistik für ihre Diagnosen, der Wohlfahrtspflege für manche Wege ihrer Therapie. Die sozialhygienischen Vorschläge und Maßnahmen werden um so erfolgreicher sein, je schärfer und enger die besondere Not, der besondere Schade zuvor umgrenzt und bezeichnet werden konnte. Die Abgrenzung des Menschheits- oder Volksganzen in zahlreiche Gruppen ist nötig, damit jede für eine bestimmte sozialhygienische Fragestellung möglichst gleichartig zusammengesetzt ist. Anders stellt sich das Wohnproblem dar für den Wohlhabenden als für den Armen, für den Städter als für den Bauer, für die kinderreiche Familie als für die kinderlose usw. usw. 40