Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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das dem W.A. vom Großen Rat zur Prüfung überwiesene Projekt des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Juden und Jüdinnen aus den Großstädten auf das Land zu verpflanzen, zur Scholle zurückzuführen und damit der ungesunden Zusammenballung von Juden in den Großstädten Einhalt zu tun. Es darf nicht verschwiegen werden, daß das Unternehmen auf den ersten Blick manchem als eine Utopie erschien, und daß sich bei der eingehenden Besprechung des Planes fast unüberwindliche Schwierigkeiten herausstellten. Die Verwirklichung des Gedankens, Juden zu Bauern zu machen, schien schwierig, schwieriger noch, jüdische Mädchen in Bäuerinnen zu verwandeln. Von einem Erfolge könnte nur die Rede sein, wenn es möglich wäre, einen jüdischen Bauern stand zu schaffen, in dem die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten. Aber auf der anderen Seite mußte ein Mittel gefunden werden, die Proletarisierung des jüdischen Mittelstandes zu verhüten, eine Berufsumschichtung in großem Stile herbeizuführen, die die körperliche, geistige und seelische Regeneration verspräche. Der Anfang solle zunächst mit denen gemacht werden, die landwirtschaftlich bereits vorgebildet seien, und schon bei der Berufswahl sollten Knaben und Mädchen auf die neuen Möglichkeiten hingewiesen und auf ihre Eignung für die Landarbeit geprüft werden. Der W.A. war schließlich der Ansicht, daß die Bestrebungen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten unterstützt werden müßten, und er empfahl dem Rat, zunächst 10 000 RM für die Propaganda zur Verfügung zu stellen; das Unternehmen selbst konnte nur auf die Schultern der gesamten deutschen Judenheit gelegt werden. Der W.A. ist sich darüber klar, daß das, was er bisher getan hat, nur als eine Vorbereitung für die eigentliche Aktion anzusehen ist. An Kritikern wird es nicht fehlen. Der Tadel derjenigen, die unsere Maßnahmen als unzulänglich oder unzweckmäßig ansehen, ist am leichtesten tragbar; denn der W.A. lehnt es nicht ab, von allen zu lernen, die mehr als bloße Kritik zu bieten haben. Gefährlicher schon ist der Einspruch derjenigen, die da meinen, daß, nachdem der Krieg wie ein Naturereignis über uns hinweggebraust ist und die gesamten Grundlagen unseres Lebens erschüttert 38