Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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stellen. Auf diese Tatsachen gründete sich die Forderung folgender Maßnahmen: 1. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Ursachen und Folgen der für das Judentum bedrohlichen Erscheinungen. 2. Praktische Maßnahmen: a) Geburtenförderung: durch Aufklärung und Erziehung, Einrichtung von Frühehekassen, Beihilfen zur Erziehung der Kinder, Umfassende Wohnungspolilik; b) Schutz von Mutter und Kind: durch Ergänzung der Wochenhilfe, Mülter- und Wöchnerinnenheime, Schaffung von jüdischen Pflegestellen; c) Schutz der heranwachsenden Jugend: durch Reform des Anstaltswesens und Erziehung der Erzieher, durch Jugendpflege und Aufklärung über sexuelle Gefahren; d) durch Maßnahmen des Gesundheitsschutzes: Aufklärung über die Gefahren der Volkskrankheiten, Förderung der Heilverfahren und Heilanstalten, Ausbau des Erholungswesens. Dr. Peyser trat vom Standpunkt des Arztes in eine Kritik des Frankfurter Antrages ein, soweit er Stillprämien und Eheberatung verlangte, und zeigte, daß durch die geforderten Stillprämien der quantitativen Verminderung des Gesamtbestandes der Juden in Deutschland nicht Einhalt getan werden könnte, sie könnte höchstens die Qualität verbessern. Er konnte an der Hand von Tabellen beweisen, daß nicht in den körperlichen oder sozialen Zuständen der Mütter ein ausreichender Grund für das Nichtstillen liege; bisher hätten meistens nur Unwissenheit oder Gleichgültigkeit der Mütter den Grund für das Nichtstillen abgegeben. Darum müsse die Stillpropaganda Sache der religiösen Körperschaften werden. Er tritt für die klinischen Geburten durch Beihilfen ein, wodurch die einzelnen Aerzte nicht geschädigt zu werden brauchten, und damit zugleich für Belehrung durch Aerzte und Pflegepersonal. Die Geburtenausfälle müßten durch fürsorgliche Behandlung der übrigen gedeckt werden. Von den Leistungen der Eheberatung solle man nicht allzuviel erwarten. 35