Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/4794429-4929550-8238431--033-4794459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Verbandstag in dieser Hinsicht zustehenden Rechte und Aufgaben, d) Reformen im jüdischen Wohlfahrts-, vor allem im Anstaltswescn anzuregen und über ihre Durchführung zu wachen. Wie hat der Wohlfahrtsausschuß seine Aufgaben in den verflossenen zwei Jahren erfüllt? I. Die materielle Förderung. Die Uebernahme der Finanzierung von Organisationen und Anstalten hat von Anfang an die unerfreuliche Folge gehabt, daß in manchen Gemeinden sich das Bestreben zeigte, ihre bisherigen Leistungen für allgemeine, preußische und deutsche, Wohlfahrtszwecke durch ihre Steuern an den Landesverband als abgegolten zu betrachten, allenfalls durch geringe Beiträge sich von allen bisherigen Leistungen loszukaufen. Dem mußte energisch entgegengetreten werden. Das Abflauen der Gebefreudigkeit in der Nachkriegszeit war verständlich gewesen. Nunmehr mußte alles daran gesetzt werden zu verhindern, daß die private Werbearbeit der Organisationen, Vereine oder Gemeinden erschlaffte. Die Zentralisation der materiellen Wohlfahrtspflege hätte den Fortbestand der Anstalten gefährdet. Eine weitere Gefahr waren die Gesuche von Einzelpersonen, die in ihrer durch Kriegs- und Nachkriegszeit verursachten Notlage sich an den Wohlfahrtsausschuß um Hilfe wandten. Solche Gesuche mußten bei allem Mitgefühl mit den Notleidenden abgelehnt werden, da der Landesverband Schwierigkeiten genug hatte und hat, die Forderungen der beamteten Personen in den Gemeinden zu berücksichtigen. Es durfte sich der Gedanke nicht festsetzen, daß der Wohlfahrtsausschuß zugleich ein Wohlfahrts a m t sei. Im Innern des W.A. stellten sich der gerechten Verteilung der Subventionen gewisse Schwierigkeiten entgegen. Die eine lag in der Zusammensetzung des Ausschusses selber. Es war wohl begreiflich, daß die verschiedenen Wahlkörper Persönlichkeiten in den W.A. entsandt hatten, die durch ihre jahrelange soziale Arbeit sich auf diesem Gebiete eine unbestrittene Autorität erworben hatten; aber alle diese Persönlichkeiten standen zugleich an der Spitze von Verbänden und Anstalten, die auf die Subvention des W.A. Anspruch erhoben. Die Sachver- 25