Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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vielfach gelöst worden ist; für den Verwahrlosten und Kriminellen hingegen ist der Versuch einer Behandlung, wie wir sie hier eben angedeutet haben, bisher noch nicht ernstlich unternommen worden; alle Versuche einer Besserung werden aber solange scheitern, bis m'an nicht den einzig möglichen Weg geht, der eben darin besteht, den asozialen Charakter abzubauen und das herbeizuführen, was wir hier als die „innere Wandlung" des Menschen bezeichnet haben1). Das setzt freilich eine ganz andere Einstellung zu den Problemen der Fürsorgeerziehung und des Strafvollzuges voraus, als sie heute noch vielfach besteht, besonders bei den untergeordneten Organen; ja, man kann sagen, daß es hier untergeordnete Organe überhaupt nicht mehr geben dürfte, sondern nur noch Heilerzieher. Solange dies nicht der Fall ist, fällt aber der freien Wohlfahrtspflege eine erhöhte Aufgabe zu. Neben der einen Aufgabe der Vorbeugung, die sie immer behalten wird, steht die andere der Heilung. Die Vorbeugung setzt eine möglichst frühzeitige Erkennung beginnender Störungen voraus, damit eingegriffen werden kann, ehe es zu schwereren Charakterveränderungen gekommen ist, sie setzt weiterhin voraus eine genaue Kenntnis der Entstehung, der Bedingungen der Charakterveränderung, damit Fehler in der Erziehung und in der Behandlung der Kinder vermieden werden können. Es gilt also, pädagogisches und psychologisches Verständnis in die weitesten Kreise zu tragen, und eine Untersuchung der Gefährdeten in die Wege zu leiten. Hier liegt eine sehr wesentliche Aufgabe der Erziehungsberatungsstellen, die im Rahmen der öffentlichen Fürsorge, wie der freien Wohlfahrtsarbeit einen weit größeren Raum einnehmen müßten, als dies bisher noch der Fall ist; es sollte heute kein *) Ansätze zu einer solchen Behandlung finden sich heute in größerer Zahl in den Erziehungsberatungsstellen. Vgl. das psychoanalytisch eingestellte Buch von Aichhorn, „Verwahrloste Jugend" (Wien, Internat. Psychoanalyt. Verlag) sowie das eben erschienene Buch von Sophie Freudenberg „Erziehungs- und heilpädagogische Beratungsstellen." Leipzig, S. Hirzel. 18