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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-01-01 · 1 (Januar-Februar 1929) · p. Seite 17

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
1 (Januar-Februar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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Diese innere Wandlung muß möglich sein; das zeigt uns einmal die reiche Erfahrung, die heute bereits an Neurotikern vorliegt, das zeigen uns aber auch allgemeinere Ueberlegungen. Ist die Strukturveränderung des Charakters zu einem sehr erheblichen Teil auf äußere Einwirkungen zurückzuführen, dann muß es möglich sein, diesen andere Einflüsse entgegenzusetzen, die neugestaltend wirken. Freilich handelt es sich hier um eine sehr schwere Aufgabe, denn eine Rückbildung der Strukturveränderung des Charakters ist nur dadurch möglich, daß die früheren, zu ihr führenden Einwirkungen aufgehoben, rückgängig gemacht werden. Die Neubildung des Charakters ist nicht möglich durch Aufbau auf das Vorhandene, es muß ihr vielmehr ein Abbau des Gegebenen voraufgehen, erst dann ist der Aufbau möglich. Die Einflüsse, welche die Entmutigung herbeigeführt haben, müssen, stufenweise rückwärtsschreitend, aufgedeckt, es muß der falsche „Lebensstil" bloßgelegt und dem Menschen zum Bewußtsein gebracht werden, daß er das Ausweichen mit einem zu hohen Preise bezahlt, daß er besser fährt, wenn er auf den „Krankheitsgewinn" verzichtet und sich offen und mutig mit dem Leben auseinandersetzt. Man hat nicht mit Unrecht gesagt, daß diese Einsicht einen Lehrgang in der Individualpsychologie bedeutet. In dem Maße, in dem der Mensch die Fehlerhaftigkeit seines Verhaltens einsieht, indem er deren Wurzel verstehen lernt, in dem die früher geschaffenen Hemmungen aufgehoben werden, erfolgt der Abbau der Ichhaftigkeit, wird der Weg freigelegt zu einem Neuauf bau der Persönlichkeit, der gewiß keine leichtere Aufgabe darstellt als die Analyse. Daß zu einem solchen Umbau, zu der inneren Wandlung, oft lange Behandlung erforderlich ist, wird man leicht einsehen; denn nichts sieht der Mensch schwerer ein als seine Fehler, und nichts gibt er wohl schwerer auf als diese, besonders, wenn nun von ihm verlangt wird, daß er sein ganzes Leben gleichsam auf eine neue Basis gründe, und seine Feigheit eingestehe. Und doch scheint kein anderer Weg zur Heilung möglich, als die Anpassung an die Realität und der Verzicht auf alle Scheinlösungen. Es handelt sich hier um eine Aufgabe von höchster Bedeutung, die für den Neurotiker oft in Angriff genommen und 17

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