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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-01-01 · 1 (Januar-Februar 1929) · p. Seite 7

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
1 (Januar-Februar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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wir von sozial pathologischen Erscheinungen1). Individual- und sozialpathologische Erscheinungen sind naturgemäß aufs engste miteinander verknüpft, zum mindesten schon dadurch, daß die Wurzeln vieler Störungen der sozialen Einordnungsfähigkeit des Individuums in individuellen Krankheitszuständen zu suchen sind, ja es gibt Auffassungen, die noch weitergehen, und das Verbrechen etwa als Krankheit, den Verbrecher als Kranken betrachtet und behandelt wissen wollen. Der Gegenstand der Fürsorge ist also ein sehr weiter; wir greifen für Erwägungen, die in den folgenden Darlegungen angestellt werden sollen, die sozialpathologischen Erscheinungen, die Störungen der Einordnungsfähfgkeit des Individuums in die Gesellschaft heraus und legen uns die Frage vor, was die Fürsorge erstreben und tun muß, wenn sie diese Störungen bekämpfen will, eine Frage, die auch praktisch von nicht geringer Bedeutung ist, besonders wenn man auf dem Standpunkt steht, daß die bisherige Fürsorgearbeit an Verwahrlosten von falschen Voraussetzungen ausging und falsche Wege einschlug. Die Verwahrlosung zeigt mannigfache verschiedene Formen: Schulschwänzen, Verlogenheit, sexuelle Verfehlungen, Herumtreiben, Vagabundieren, Arbeitsscheu, Stehlen, Betrügen, Tierquälereien, Rohheiten usw. Ueberall hier handelt es sieh um äußere Verhaltensweisen, um Verwahrlosungserscheinungen, die etwa die gleiche Bedeutung haben wie Symtome bei einer Erkrankung: Husten, Auswurf, Fieber sind nicht die Lungentuberkulose, sondern Anzeichen, aus denen wir, im Verein mit dem Ergebnis der Untersuchung, die Erkrankung diagnostizieren. Arbeitsscheu, Verlogenheit, Vagabundieren usw. sind Symptome, die uns geigen, daß irgend etwas im Individuum nicht „in Ordnung" ist. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß alle äußeren Verhaltensweisen mit seelischen Vorgängen in engster Beziehung stehen, daß sie Ausdruck derselben sind, und so stellen wir den Verwahrlosungserscheinungen eine innere Ver- ') Vgl. hierzu meine ausführlichere Darstellung in v. Düring-Stern, Jugendfürsorge, Breslau, Ferdinand Hirt 1927, Bd. I. Stern, Die Ursachen der Fürsorgedürftigkeit.

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