Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Der Palästina-Aufbauplan in seinem Roman: Altneuland
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 21)
- Language
- German
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Derhältniffe zu übertragen. Den Künftlern uerdankte ich die herrliche Lehre, dafj unser Land in feinen natürlichen Schönheiten erfaßt und entwickelt werden müffe. Schön füllte es werden, fchön überall, fchön uor allem. Weil Schönheit die Herzen der Menfchen immer erfreut. Ich mutzte Tag und Nacht unterwegs fein, von einem Arbeitslager zum anderen. Ich fchlief öfters in meinem großen Motorwagen, der mich uon Ort zu Ort brachte. Don unferem heutigen Komfort war damals begreiflicherweife noch keine Kede. Wenn ich vorher wußte, wo ich übernachten würde, ließ ich mir eine Baracke auffchlagen. Aber das war nicht immer im vorhinein bestimmbar. Auch war es nützlich, daß ich da und dort unerwartet auftauchte, um die Straßenarbeiten, die Landverteilung und den Feldbau zu besichtigen. Wohl waren für alles detaillierte Pläne und Inftruktionen da, doch wollte ich mich auch persönlich überzeugen, ob alles am Schnürchen ging. Bei aller Planmäßigkeit gab es doch Zwifchenfälle mit den Arbeitern oder in der Oerpflegung, die rafches Eingreifen, Änderungen im Dorgefehenen, neue Dispositionen nötig machten. Bei der Bodenzuweifung schürzten sich manchmal gordische Knoten, die nur ich zerhauen konnte. Auf den eigenen Ländereien der neuen Gesellschaft war man beim Frühjahrsanbau. Wir hatten zwar die landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften eingerichtet, aber die Leute waren noch neu bei der Sache, sie brauchten eine führende Autorität und gelegentlich eine höhere Entscheidung. Es waren durchaus keine ungewöhnlichen Aufgaben, sie erforderten nur eine stete Aufmerksamkeit. 122