Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Herzl, I. Kongreßrede, Basel 1897
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4086896-10094641-10094653--102-4086987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
geistigen Mitteln M Wiederbelebung und pflege des jüdischen Nationalbewusstseins beschäftigen. Auch auf diesem Punkt haben wir mit Mißverständnissen )U kämpfen. Wir denken nicht daran, auch nur eines Fußes Breite von erworbener Kultur auftugeben, sondern denken an ein weiteres Vertiefen der Kultur, wie es jedes Wissen bedeutet. übrigens ließ das geistige Leben der (luden von jeher bekanntlich weniger?u wünschen übrig, als das ihrer körperlichen Betätigung. Dies haben die praktischen Vorläufer des jetzigen Zionismus eingesehen, als sie anfingen einen jüdischen Ackerbau hervoyurufen. Von diesen Kolonisationsversuchen in Palästina und Argentinien können und werden wir alle nie anders als mit aufrichtiger Dankbarkeit sprechen. Aber sie waren nur das erste, sie sind nicht das letzte Wort der Monistischen Bewegung. Diese muß größer sein, wenn sie überhaupt sein soll. Ein Volk kann sich nur selbst Helsen,- kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu helfen. Mir Zionisten wollen aber das Volk zur Selbsthilfe anregen. Dabei sollen keine verfrühten, ungesunden Hoffnungen angeregt werden. Auch aus diesem Grunde ist eine Offentlichtkeit der Verhandlung, wie sie unser Kongreß bezweckt, von hohem Wert. Wer die Sache ruhig bedenkt, wird sich doch sagen müssen, daß der Zionismus auf andere Weise, als durch eine rückhaltlose Auseinandersetzung mit den beteiligten politischen Faktoren sein Ziel nicht erreichen kann. DieSchwierigkeiten der Kolonisationsbefugnis wurden bekanntlich nicht erst durch den Zionismus in seiner gegenwärtigen Gestalt geschaffen. Man muß sich fragen, welches Interesse die Erzähler solcher Märchen denn eigentlich haben. Das Vertrauen der Negierung, mit der man über eine Ansiedlung jüdischer Volksmaffen im 84