Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Herzl, I. Kongreßrede, Basel 1897
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 6)
- Language
- German
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großen Maßstabe verhandeln will, läßt sich durch offene Sprache, durch ein loyales Vorgehen erreichen. Die Vorteile, die ein Volk als Gegenleistung )U bieten vermag, sind so bedeutend, daß die Unterhandlungen von vorneherein mit genügendem Ernst ausgestattet sind. In welcher rechtlichen Form die Einigung schließlich stattfinden soll, darüber heute viel M reden, wäre ein müßiges Beginnen. Rur das eine ist unverbrüchlich feshuhalten: Die Basis kann nur ein Zustand des Rechtes und nicht der Duldung sein. Mit der Toleran) und dem Schutzjudentum haben wir nachgerade genug Erfahrungen gemacht. Unsere Bewegung hat folglich nur dann einen vernünftigen Zug, wenn sie öffentlich-rechtliche Bürgschaften anstrebt. Die bisherige Kolonisation hat das erreicht, was sie nach ihrer Anlage erreichen konnte. Sie hat die vielbestrittene Tauglichkeit der Juden zur Landarbeit erhärtet. Sie hat diesen Beweis, wie es in der Rechtssprache heißt,?um ewigen Gedächtnis erbracht. Aber die Lösung -er Judenfrage ist sie nicht und kann sie in der bisherigen Form nicht sein. Sie hat auch, gestehen wir es uns offen, einen bedeutenden Anklang nicht gefunden. Warum? Weil die Juden rechnen können, es wird ja sogar behauptet, daß sie es?u gut können. Wenn wir nun annehmen, daß es neu» Millionen Juden gibt, und daß es der Kolonisation gelänge, jährlich zehntausend Personen in Palästina aiyusiedeln, so würde die Lösung der Judensrage neunhundert Jahre in Anspruch nehmen. Das sieht unpraktisch aus. Run wissen Sie aber, daß die Zahl von zehntausend Ansiedlern jährlich geradezu phantastisch ist, unter den jetzigen Verhältniffen nämlich. Die türkische Regierung würde bei einer solchen Ziffer sofort die alten Einwanderungsverbote auffrischen — und das 85