Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 24)
- Language
- German
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fühlen, mit seinem Scharfsinn und seiner Kraft teils zunehmen an einem Werk, das keinem einzelnen gehört, und es zu verbessern. Habe ich nicht selbstverständliche Dinge erklärt und wichtige Bedenken übersehen? Einige Linwände habe ich zu widerlegen versucht; ich weiß, es gibt noch andere, viele, es gibt hohe und niedere. Zu den hohen Einwendungen gehört es, daß in der Welt die Notlage der Juden nicht die einzige ist. — Ich meine aber, daß wir immerhin anfangen sollen, ein wenig Elend hinwegzuräumen; wäre es auch vorläufig nur unser eigenes. Ferner kann gesagt werden, daß wir nicht neue Unterschiede zwischen die Menschen bringen sollten; keine neuen Grenzen errichten, lieber die alten verschwinden machen. — Ich meine, das sind liebenswerte Schwärmer, die so denken; aber der Staub ihrer Knochen wird schon spurlos zerblasen sein, wenn die Vaterlandsidee noch immer blühen wird. Die allgemeine Verbrüderung ist nicht einmal ein schöner Traum. Der Feind ist nötig für die höchsten Anstrengungen der Persönlichkeit. Die niederen Einwendungen sind zahllos, wie es ja auch mehr niedere Menschen gibt als hohe, vielleicht wird der Kampf zuerst gegen manche bösen, engherzigen, beschränkten Juden geführt werden müssen. werden einige wohlhabende meinen, der Druck sei noch nicht groß genug für die Auswanderung, und selbst 78