Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 25)
- Language
- German
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bei gewaltsamen Iudenaustreibungen zeige sich, wie ungern unsere Leute gingen? Ja, weil sie nicket wissen, wohin! weil sie nur aus einem Glend ins andere kommen. Aber wir zeigen ihnen den weg in das Gelobte Land. Und mit der schrecklichen Macht der Gewohnheit muß die herrliche Macht der Begeisterung ringen. Die Verfolgungen sind nicht mehr so bösartig wie im Mittelalter? Ja, aber unsere Empfindlichkeit ist gewachsen, so daß wir keine Verminderung der Leiden spüren. Die lange Verfolgung hat unfere Nerven überreizt. Und wird man noch sagen: die Unternehmung sei hoffnungslos, selbst wenn wir das Land und die Souveränität bekommen — weil nur die Armen mitgehen werden? Gerade die brauchen wir zuerst! Nur die Desperados taugen zum Erobern. wird jemand sagen: Ja, wenn das möglich wäre, hätte man es schon gemacht. Früher war es nicht möglich. Jetzt ist es möglich. Noch vor hundert, vor fünfzig Jahren wäre es eine Schwärmerei gewesen. Freute ist das alles wirklich. Gerade die Armen und Einfachen werden die neue Botschaft am stärksten glauben. Denn sie haben die Hoffnung auf das Gelobte Land nicht verloren. Da ist es, Juden! Kein Märchen, kein Betrug! Jeder kann sich davon überzeugen, denn jeder trägt ein Stück vom Gelobten Land hinüber: der in seinem Kopf, und der in seinen Armen, und jener in seinem erworbenen Gut. 79