Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1921-01-01 · 5682 - 1921/22 · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5682 - 1921/22
Article
Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
Date
1921-01-01
Page
Seite 79 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/4086896-10094641-10094652--096-4086982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bei gewaltsamen Iudenaustreibungen zeige sich, wie ungern unsere Leute gingen? Ja, weil sie nicket wissen, wohin! weil sie nur aus einem Glend ins andere kommen. Aber wir zeigen ihnen den weg in das Gelobte Land. Und mit der schrecklichen Macht der Gewohnheit muß die herrliche Macht der Begeisterung ringen. Die Verfolgungen sind nicht mehr so bösartig wie im Mittelalter? Ja, aber unsere Empfindlichkeit ist gewachsen, so daß wir keine Verminderung der Leiden spüren. Die lange Verfolgung hat unfere Nerven überreizt. Und wird man noch sagen: die Unternehmung sei hoffnungslos, selbst wenn wir das Land und die Souveränität bekommen — weil nur die Armen mitgehen werden? Gerade die brauchen wir zuerst! Nur die Desperados taugen zum Erobern. wird jemand sagen: Ja, wenn das möglich wäre, hätte man es schon gemacht. Früher war es nicht möglich. Jetzt ist es möglich. Noch vor hundert, vor fünfzig Jahren wäre es eine Schwärmerei gewesen. Freute ist das alles wirklich. Gerade die Armen und Einfachen werden die neue Botschaft am stärksten glauben. Denn sie haben die Hoffnung auf das Gelobte Land nicht verloren. Da ist es, Juden! Kein Märchen, kein Betrug! Jeder kann sich davon überzeugen, denn jeder trägt ein Stück vom Gelobten Land hinüber: der in seinem Kopf, und der in seinen Armen, und jener in seinem erworbenen Gut. 79

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.