Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 9)
- Language
- German
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Kultur. iKan kehrt nicht auf eine niedrigere Stufe zurück, sondern ersteigt eine höhere. Man bezieht keine Lehmhütten, sondern schönere, modernere Ganser, die man sich neu baut und ungefährdet besitzen darf. Man verliert nicht sein erworbenes Gut, sondern verwertet es. Man gibt sein gutes Recht nur auf gegen ein besseres. Man trennt sich nicht von seinen lieben Gewohnheiten, sondern findet sie wieder. Man verläßt das alte Hans nicht, bevor das neue fertig ist. Ls ziehen immer nur diejenigen, die sicher sind, ihre Lage dadurch zu verbessern. Lrst die Verzweifelten, dann die Armen, dann die Wohlhabenden, dann die Reichen. Die Vorangegangenen erheben sich in die höhere Schicht, bis diese letztere ihre Angehörigen nachschickt. Die Wanderung ist zugleich eine anfsteigende Klassenbewegung. Die Inden scheiden als geachtete freunde, und wenn einzelne dann zurückkommen, wird man sie in den zivilisierten Ländern genau so wohlwollend aufnehmen und behandeln wie andere fremde Staatsangehörige. Diese Wanderung ist auch keine Flucht, sondern ein geordneter Zug unter der Kontrolle der öffentlichen Meinung. Die Bewegung ist nicht nur mit vollkommen gesetzlichen Mitteln einznleiten, sie kann überhaupt nur durchgeführt werden unter freundlicher Mitwirkung der beteiligten Regierungen, die davon wesentliche vorteile haben. Indem ich nun zur Vernunft spreche, weiß ich dennoch wohl, daß die Vernunft allein nicht genügt. Alte Gefangene gehen nicht gern ans dem Kerker. Wir wer- 63