Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 10)
- Language
- German
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den sehen, ob uns schon die Jugend, die wir brauchen, nachgewachsen ist; die Jugend, welche die Alten mitreißt, auf starken Armen hinausträgt und die vernunftgründe umsetzt in Begeisterung. 9er auf uns ausgeübte Druck macht uns nicht besser, wir sind nicht anders als die anderen Menschen, wir lieben unsere Feinde nicht, das ist ganz wahr. Aber nur wer sich selbst zu überwinden vermag, darf es uns vorwerfen. Der Druck erzeugt bei uns natürlich eine Feindseligkeit gegen unsere Bedränger — und unsere Feindseligkeit steigert wieder den Druck. Aus diesenr Rreislauf herauszukommen, ist unmöglich. „Doch!" werden weichmütige Schwärmer sagen, „doch, es ist möglich! Und zwar durch die herbeizuführende Güte der Menschen." Brauche ich wirklich erst noch zu beweisen, was das für eine sentimentale Faselei ist? wer eine Besserung der Zustände auf die Güte aller Menschen gründen wollte, der schriebe allerdings eine Utopie! Ich sprach schon von unserer „Assimilierung". Ich sage keinen Augenblick, daß ich sie wünsche. Unsere Volkspersönlichkeit ist geschichtlich zu berühmt und trotz aller Erniedrigungen zu hoch, als daß ihr Untergang zu wünschen wäre. Aber vielleicht könnten wir überall in den uns umgebenden Völkern spurlos aufgehen, wenn man uns nur zwei Generationen hindurch in Ruhe 64