Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 8)
- Language
- German
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Pflanzung des Antisemitismus nach neuen Gegenden, welche die notwendige Folge einer solchen künstlichen Infiltration ist, halte ich noch für den geringsten Nachteil. Schlimmer ist, daß die ungenügenden Ergebnisse bei den Juden selbst Zweifel an der Brauchbarkeit des jüdischen Menschenmaterials hervorriefen. Diesem Zweifel wird aber bei den verständigen durch folgende einfache Argumentation beizukommen sein: was im kleinen unzweckmäßig oder undurchführbar ist, muß es noch nicht im Großen fein. Lin kleines Unternehmen kann unter denselben Bedingungen Verlust bringen, unter denen ein großes sich rentiert. Lin Bach ist nicht einmal mit Kähnen schiffbar; der Fluß, in den er sich ergießt, trägt stattliche eiserne Fahrzeuge. Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach einem anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt. Die Iuden haben die ganze Nacht ihrer Geschichte hindurch nicht aufgehört, diesen königlichen Traum zu träumen: „Ubers Iahr in Ierusalem!" ist unser altes Wort. Nun handelt es sich darum, zu zeigen, daß aus dem Traum ein tagheller Gedanke werden kann. Dazu muß vor allem in den Seelen tabula rasa gemacht werden von mancherlei alten, überholten, verworrenen, beschränkten Vorstellungen. So werden dumpfe Gehirne zunächst meinen, daß die Wanderung aus der Kultur hinaus in die wüste gehen müsse. Nicht wahr! Die Wanderung vollzieht sich mitten in der 62