Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Theodor Herzl, Ewig gültige Gedanken aus dem "Judenstaat", 1896
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 7)
- Language
- German
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troffen find; denn auf sie drückt zunächst der Wettbewerb gleichartiger wirtschaftlicher Individuen, die zudenr auch noch den Antisemitismus importieren oder den vorhandenen verschärfen. Ls ist ein heimlicher Jammer der Assimilierten, der sich in „wohltätigen" Unternehmungen Luft macht. Sie gründen Auswanderungsvereine für zureisende Juden. Diese Erscheinung enthält einen Gegensinn, den man komisch finden könnte, wenn es sich nicht um leidende Menschen handelte. Einzelne dieser Unterstützungsvereine sind nicht für, sondern gegen die verfolgten Juden da. Die Ärmsten sollen nur recht schnell, recht weit weggeschafft werden. Und so entdeckt man bei aufmerksamer Betrachtung, daß mancher scheinbare Iudenfreund nur ein als Wohltäter verkleideter Antisemit jüdischen Ursprungs ist. Aber selbst die Kolonisierungsversuche wirklich wohlmeinender Männer haben sich bisher nicht bewährt, obwohl es interessante versuche waren. Ich glaube nicht, daß es sich bei dem oder jenem nur um einen Sport gehandelt habe; daß der oder jener arme Juden wandern ließ, wie man Pferde rennen läßt. Dazu ist die Sache denn doch zu ernst und traurig. Interessant waren diese versuche insofern, als sie im kleinen die praktischen Vorläufer der Iudenstaatsidee vorstellten. Und sogar nützlich waren sie insofern, als dabei Fehler gemacht wurden, aus denen man bei einer Verwirklichung im großen lernen kann. Freilich ist durch diese Versuche auch Schaden gestiftet worden. Die ver- 61