Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Moses Heß, Rom und Jerusalem, Die letzte Nationalitätenfrage 1862
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 14)
- Language
- German
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zeigen sich in neuerer Zeit unter denjenigen selbst, die früher die Abtrünnigkeit vom Judentum als humanistisches Ideal verfolgten, für das altsüdische Leben Sympathien, die jeden Tag zunehmen. Bei den Juden weit mehr noch als bei Nationen, die auf ihrem eigenen Boden unterdrückt sind, muß die nationale Selbständigkeit jedem politisch sozialen Fortschritte vorangehen. Ein gemeinsamer heimatlicher Boden ist für sie erste Bedingung gesunderer Arbeitsverhältnisse. Der gesellige Mensch bedarf, wie die geselligen Pflanzen und Tiere, zu seinem Gedeihen und Fortkommen eines weiten, freien Bodens, ohne welchen er zum Schmarotzer herabsinkt, der sich nur auf kosten fremder Produktion ernähren kann. Mohl weiß ich, daß auch im Judentum das Bedürfnis gesunder Arbeltsverhältnisse, welche die Ausbeutung der Natur durch den Menschen zur Basis haben, tief gefühlt wird; ich kenne die großen Anstrengungen, welche unter uns gemacht werden, um unsre jüngere jüdische Generation zu nützlichen Arbeiter^ zu erziehen. Aber ich weiß auch, daß die Juden im E)ül sich solchen Arbeiten, wenigstens der Mehrzahl nach, niemals widmen können; weil ihnen die erste Bedingung zu denselben, der vaterländische Boden fehlt, und weil sie sich nicht mit den Völkern, unter welchen sie zerstreut leben, vermischen können, ohne ihrem Nationalkultus untreu zu werden. Jm E)eil kann das Judentnm nicht regeneriert, könnte durch Neformen und philanthropische Bemühungen höchstens zur Abtrünnigkeit gebracht werden. Aber das wird keinem Reformator und keinem Tyrannen gelingen. Die jüdische Volkö- 34