Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Moses Heß, Rom und Jerusalem, Die letzte Nationalitätenfrage 1862
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 13)
- Language
- German
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nicht in jener Geistes- und Herzensbildung, welche nie vor den Schwierigkeiten eines großen Merkes zurückbebt, nie im voraus die Opfer berechnet, die zur Durchführung desselben erheischt werden könnten, sondern in einer moralischen und intellektuellen Borniertheit, welche unfähig ist, sich auf einen hohen humanen Standpunkt zu erheben, von welchem aus erst die ganze Größe des Anglücks, dem abgeholfen werden soll, sowie die Mittel zur definitiven Abhilfe überschaut werden können. Die jüdische Religion ist wirklich seit zweitausend fahren, wie schon Heine und mit ihm alle gebildeten jüdischen Zeitgenossen richtig gefühlt haben, mehr noch ein Anglück als eine Religion gewesen. Rur kann man diesem Anglück nicht, wie sich die Gebildeten einreden möchten, durch Aufklärung oder durch Dausen entfliehen, )eder ^ude ist, er mag es wollen oder nicht, solidarisch mit seiner ganzen Nation verbunden, und erst wenn das jüdische Volk von der Last befreit sein wird, die es Jahrtausende mit heroischem -Opfermut auf seinem gebeugten Nacken getragen hat, wird sie auch von den Schultern jener Aufgeklärten genommen sein, die stets nur eine verschwindend kleine Minderzahl bilden werden. Selbft im Okzident, wo die )uden durch tausend Fäden mit der allgemeinen Zivilisation in der engsten Berührung stehen, konnte die Aufklärung nichts dem altjüdischen Kultus anhaben. Ihm huldigt heute noch die Mehrzahl der okzidentalen ^uden. Meder Emanzipation noch christliche proselgtenmacherei, welche auf materielle Vorteile und religiösen Indifferentismus spekulierte, konnten die große Mehrzahl zur Abtrünnigkeit bewegen. Im Gegenteil 3 LKamizer, Mmanack 33