Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5682 - 1921/22
- Article
- Moses Heß, Rom und Jerusalem, Die letzte Nationalitätenfrage 1862
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
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Abfall vom Judentum, nicht der Wiederbelebung seines schöpferischen Seiftes und der Wiederaufnahme seiner welthistorischen Arbeit förderlich sein konnte, so sind auf der andern Leite auch Nabbinen nicht hinter den Modernen an Gelehrsamkeit und humanistischer Bildung zurückgeblieben. — Gin milder, versöhnender Lebenshauch weht bereits da, wo noch vor kaum einigen Dezennien eine orthodoxe Eiskruste alles zu erstarren, ein revolutionärer .Samum alles zu verbrennen und zu verflüchtigen drohte. ^)ie deutsche Bildung scheint sich mit den jüdischen Nationalitätsbeftrebungen nicht zu vertragen. Jedes tüchtige Volk, wie jedes tüchtige Individuum, hat seine Spezialität. Jeder Mensch, jedes Mitglied der geschichtlichen Völker ist zwar ein politisches oder, wie wir heute sagen, ein soziales Tier; aber innerhalb der sozialen Welt hat doch jeder schon von Natur einen speziellen Beruf, und der Deutsche, wie sehr er sich auch dagegen strauben mag, ist in seinem bessern Teil zu sehr Philosoph, hat eine zu universelle Eeiftesrichtung, um sich für Nationalitätsbeftrebungen in der rechten Weise, ohne Affektation begeistern zu können. Die rein menschliche Natur des Deutschen ist die Natur der rein deutschen Nasse, welche sich nur durch den Gedanken, theoretisch, zur Humanität erheben kann, im praktischen Leben aber ihre naturwüchsigen Sympathien und Antipathien noch nicht überwunden hat. Ihr Widerwille