Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 129)
- Language
- German
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120 Kawdata. Sabbathabend naht, es dunkelt, Sterne sind heraufgezogen, Doch ein Stern soll untergehen, Der so lang' vorangewandelt Auf den Bahnen frommer Lehre. Ein erprobter Wegeweiser, Kraus verschlung'ner Pfade Finder. Soll den letzten Weg nun finden, Wo der unverfälschten Wahrheit, Ewig Helle Leuchte strahlet. Dort im dämmrigen Gemache Liegt ein Greis, vom Tod umschauert. Er ist nicht allein. Wohl stehen Kinder nicht noch Enkel weinend Um sein Sterbelager — lange Schied von ihm auch die Gefährtin — Er ist dennoch nicht allein. Eine treue Jüngerschaar Lauscht des Meisters letzten Worten. Mühsam unterdrücktes Schluchzen Dringt hervor aus bangen Herzen, Klagend wehen leise Seufzer Durch's Gemach. — Die Maariw-Andacht Ist zu Ende. ״Nun Hawdala!" Ruft der Alte. Und da flammet Auf die buntgeflocht'ne Kerze Mit unsicherem Geflacker — Soll's etwa im Bilde zeigen Einer Seele letztes Leuchten? — Und in thränenschweren Augen Spiegelt sich das schwanke Lichtlein, Es bescheinet kummerbleiche Jugendliche Angesichter. Seltsam zuckt es um die Lippen Jenes Jüngers, wie er tonlos Murmelt und so tiefbeklommen Das Gebet. Doch klar und rubig Mild verbessernd spricht der Lehrer Nach die frommen Segensworte: ״Gott, Du Spender meines Heiles, ״Sieh', auf Dich vertraut' ich immer, ״Was Hab' ich nunmehr zu fürchten! . . . ״Schöpfet ferner, meine Lieben,' ״Wenn ich auch von dannen gehe, ״Meine Lieben, schöpfet ferner