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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 119

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 119 (sequence 128)
Language
German
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IRI
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119 So war das Frankel-Jubiläum ein Ehrentag der jüdischen Wissenschaft. Doch Frankel war nicht der Mann, der auf den erworbenen und wohlverdienten Lorbeeren ausruhen mochte. Wie Alexander von Humboldt im 70. Lebensjahre an die Abfassung seines ״Kosmos", so ging Frankel in demselben hohen Lebensalter an das schwierige Werk, die Commentirung des jerusalemischen Talmuds; aber nicht gleich Humboldt war es ihm vom Schicksal beschieden, das Riesenwerk zu vollenden. Im Jahre 1874 erschien der erste Theil seiner mit einem Doppel-Commentare versehenen Ausgabe dieses schwierigen Talmuds, das den Anforderungen talmud. Fachgelehrsamkeit wie moderner Wissenschaftlichkeit gleich sehr gerecht wurde. Freitag, den 12. Februar 1875 hatte er die letzten Sätze zur Einleitung für den zweiten Theil dieses Riesenwerkes, daß der Trost und die Lust seines Alters war, geschrieben — da überraschte ihn der Tod und wand ihm das Werkzeug seiner Thaten, die Feder, aus der Hand. Am Sabbath den 8. Adar, (18. Februar 1875), einen Tag nach dem tradirten Todestage unseres großen Lehrers Mose — Friede mit ihm! — verschied Frankel. Er hatte Freitag Abends noch dem Gottesdienst in der Seminarsynagoge beigewohnt. In der Nacht wurde er — wie in der letzten Zeit öfter — von Beklemmungen befallen, so daß der Arzt geholt werden mußte, der den Zustand ob des hohen Alters des Patienten für gefährlich erklärte. Im Laufe des Sabbath-Vormittags wurde noch ein Arzt zugezogen. Frankel blieb bei vollem Bewußtsein und klagte nicht über Schmerzen. Nachmittags gegen 2 Uhr umdunkelte sich sein Auge, er glaubte den Sabbathausgang nahe und begann das Abendgebet zu sprechen; nach Beendigung desselben forderte er den um ihn weilenden Schüler auf, ״Hawdoloh zu machen," was dieser, um den Patienten durch Widerspruch nicht zu erregen, auch that, natürlich ohne ״Licht." ,,Sie haben ja den Segen übers Licht nicht gesprochen?" sagte der Patient, sprach darauf vernehmlich die Worte ב׳א׳י, א׳ט׳ה' בורא מאורי האש und — war nicht mehr. So erlosch die ״Leuchte Israels", so ging Frankel Licht und Segen spendend durch sein Lehren und Leben, den Segensspruch über das Licht auf den Lippen ein zum ewigen Licht! Die ״Israelitische Wochenschrift" brachte über seinen Tod folgendes Gedicht:

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