Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/10622931-10676943--123-4085675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
114 Feuerflammen gegebene Bund, durch den Israel für immer bestehen soll. Eine Stätte der Lehre, eine Stätte für Bildung zur Lehre — welche Zukunft erwartet uns sonst!" Dieser von Dresden ausgehende Mahnruf fiel gerade in dieselbe Zeit, da in Breslau die Männer, welche das Kuratorium der großartigen ״Commerzienrath Jonas Fränkel'schen Stiftungen" bildeten, im Stillen mit den ernsten Vorarbeitenbeschäftigt waren, wie die bedeutendste jener Stiftungen, die eines ״Seminars zur Heranbildung von Rabbinern, und Lehrern" am würdigsten in's Leben gerufen werden könne, welcher Mann wohl am geeignetsten sei und den wahrhaften Beruf habe, an die Spitze einer solchen Anstalt gestellt zu werden. Während dieser Erwägungen erschien jener ״Mahnruf". Der Mann war gefunden, ״dessen hervorragende Eigenschaften — wie es im Bericht des Kuratoriums heißt — in seltener Vereinigung ihn zum Leiter einer solchen Anstalt so zu sagen prädestiniren mußten, an dessen Festigfett und opferfähiger Hingebung an das große Werk nicht gezweifelt werden durfte — und der königlich sächsische Oberrabbiner von Dresden und Leipzig, der den Ruf an die Gemeinde zu Berlin vor Jahren ausgeschlagen, nahm unsere Vocation als Direktor des Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern in Breslau an." Am 6. und 7. Juni 1854 fand die erste Aufnahmeprüfung statt, Schreiber dieses wurde als zweiter Schüler immatriculirt (erster war Dr. Moritz Güdemann, seit 1866 Rabbiner in Wien); am 10. August 1854 — den 16. Aw — fand die Eröffnungsfeier und die Einführung Frankels in sein hohes Lehramt durch das Kuratorium statt. Uns ist jener weihevolle Vorgang noch lebendig im Gedächtniß. Nach einer Ansprache des Kurators, Sanitätsraths Dr. I. Levy, bestieg Frankel das Katheder, sprach den Segensspruch שהחינו, bezeichnete das Erlebniß als ein historisches, allgemeines, das nicht einem kleinen Kreise, einer Stadt, einer Provinz, einem Lande angehöre, sondern Eigenthum des ganzen Iudenthums werden solle, ״dessen Geist hier gepflegt, in dessen Geist hier gelehrt werden solle." ״Aus den vielseitigen religiösen Kämpfen und Bewegungen eines Menschenalters war — um mit Jost (Gesch. d. Iudenth. III, 386) zu reden — eineSchöpfung hervorgegangen, deren Dauer gesichert, welche als der würdige Schlußstein des vielseitigen Strebens auf dem Gebiete