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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 113

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 113 (sequence 122)
Language
German
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IRI
…/10622931-10676943--122-4085674
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113 Der Geist der Zeit besitze nur Willkür, die Verhältnisse haben den Einfluß. Auch das Volk hat den positiven Standpunkt inne, rauben wir ihm den nicht; wir theilen Israel in zwei Lager, wo wir sie doch durch des Prinzip versöhnen könnten." (Es folgt hieraus seine Vertheidigung der hebr. Sprache, die aus dem obigen Briefe ersichtlich.) Hier sehen wir die beiden Grundzüge der Frankel'schen Richtung: Fest geh alten an dem Iudenthum, wie es auf Offenbarung und Geschichte sich aufbaut, Entwickelung nur im Geiste dieses positivhistorischen Iudenthums —, Aufbauen, nicht Niederreißen; sodann Rücksicht auf die Gemeinde, Achtung vor dem, was im Herzen des Volkes lebt und demselben lieb und theuer geworden ist, vor Allem kein Zwiespalt in den Gemeinden, kein Spalten in zwei Lager, versöhnlich wirken, vermitteln zwischen den Parteien ohne das Prinzip aufzuheben, die Gemeinde ei nh eit und den Frieden wahren. Diesem Standpunkte, dieser vermittelnden Richtung die wissenschaftliche Begründung zu geben, gründete er um diese Zeit (1844) ״die Zeitschrift für die religiösen Interessen des Iudenthums", von der 3 Jahrgänge erschienen sind; aus ihr entwickelte sich dann (October 1851) ״die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Iudenthums" die F. bis Ende 1868 redigirte, und die seitdem ununterbrochen im 30. Jahrgänge unter Redaction des Prof. Di׳. Grätz weitererscheint. Sie ist eine reichhaltige Fundgrube gediegener Beiträge zur Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur. Es war ein merkwürdiges Zusammentreffen, ein scheinbarer Zufall, wie er in der Entwicklungs-Geschichte des jüdischen Volkes nicht selten als Fingerzeig der Vorsehung sich erweist, daß Frankel den zweiten Jahrgang (1853) dieser von ihm begründeten ״Monatsschrift für die Geschichte Und Wissenschaft des Iudenthums" mit einer ״Iahresschau" eröffnete, in der er seine mächtige Stimme für Errichtung eines Nabbinerseminars erhob. Er sagte darin u. A.: ״Woher sollen die fürtftigen Rabbiner ihre theologische Bildung nehmen? Wird nicht daran gegangen, junge Rabbiner heranzubilden, welche Zukunft steht Israels Heiligthum bevor? An wen werden sich Israels Gemeinden halten? Wer wird die Schätze des Glaubens wahren, wer die große Errungenschaft der Väter vertreten? — ״Schöpfung eines Seminars!" so mahnet dringend der trostlose Zustand der Gegenwart, rufen mit Donnerstimme die Dahingeschiedenen, die an Glauben und Lehre ihr Leben setzten, um sie noch dem tausendsten Geschlechie zu überliefern, mahnt der in Meyer, Jllustrirter Jüdischer Familien-Kalender für 5642. 8

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