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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 112

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 112 (sequence 121)
Language
German
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IRI
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112 historischen Judenthums, das ich der Versammlung laut als das meinige erklärte. DieserGeist muß nunzugleich den ferneren Beschlüssen der Versammlung jede Gültigkeit in den Augen Jenes, der sich aus dem positiv-historischen Stand- Punkt befindet, entziehen, da, wie ich ebenfalls der Versammlung bemerklich machte, es nicht allein aus das Stimmabgeben, sondern auf das Motiv der Abstimmung ankomme, und nur wer schon vorher mit sich abgeschlossen und blos eine formelle Bestätigung sucht, kann in einer allgemeinen Abstimmung eine scheinbare Beruhigung finden. — Aus diesen Gründen sehe ich mich veranlaßt, nicht nur gegen obigen Beschluß laut zu protestiren, sondern zugleich zu erklären, daß mein Standpunkt ganz ein anderer als der der Versammlung sei und ich in ihrer Mitte nicht Sitz und Stimme haben kann. Ich drücke aber auch mein Bedauern aus, daß die Versammlung, statt das Ziel, ״allgemeines Vertrauen zu erwerben und hierdurch eine Vermittlung herbeizuführen/' im Auge zu behalten, sich von Neuem von ihm entfernt und viele Tausende, die ein solcher Beschluß tief verwundet, von sich abgestoßen. Wie sehr ich dieses Ziel im Auge hatte dokumentirt meine Erscheinung hei der Versammlung, und ließ der Wunsch, das Meinige zu einer Vermittlung beimtragen und mit Anderen mit vereinten Kräften dahin zu arbeiten, daß dieses junge Institut zu einem versöhnenden und die allgemeinen religiösen Interessen vertretenden heranreife, mich über manche Mißverständnisse, die dieser Schritt Hervorrufen konnte, so wie über manches meinem persönlichen Interesse Widersprechende wegsehen. Die höhere, heilige Rücksicht veranlaßt mich, mich von dieser Versammlung loszusagen; wo ein Göttliches, dem unser ganzes Leben angehört, mahnt, wo eine innere Ueberzeugung ruft, da muß, ohne Rücksicht auf Mißdeutung und Unterstellung von Motiven, Folge geleistet werden. Dem redlichen Manne gehet sein Bewußtsein über Alles; er befragt vor Allem seinen innern Richter, und ist er vor diesem gerechtfertigt, findet er Hiersein Urtheil bestätigt, dann geht er fest seinen Weg, treten alle andern Rücksichten vor denen der Religion und der Wahrheit in den Hintergrund. Ich habe die Ehre mich mit Hochachtung zu zeichnen Frankfurt a. M., 18. Juni 1845. Oberrabbiner Di־. Z. Frankel." Durch diesen Absagebrief, der in den Kreisen der Rabbiner- Versammlung sehr verstimmend wirkte, in den gemäßigten und conservativen Gemeinden aber allseitige Zustimmung fand, wie die eingelaufenen Adressen bekundeten, wurde Frankel das Haupt und der Führer der positiv-historischen Richtung. In seiner ersten (und einzigen) Rede, die er in der Rabbinerversammlung am 16. Juli 1845 hielt, spricht er sich sehr bestimmt darüber aus: ״Mein Standpunkt ist das Positiv-Historische Iudenthum. Entwickelung ist nur im Geiste des bisherigen Iudenthums möglich. Zwischen der Schrift und uns ist eine zu weite Kluft; die Exegese ist stets subjectiv; der Geist der Zeit hat nichts Bestehendes, nichts Dauerndes, wohl die Macht zu vereinen, aber nicht aufzubauen, weil er eben wechsle wie die Zeit.

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