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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 111

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 111 (sequence 120)
Language
German
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111 dessen ich nur mit Kummer gedenken kann; nur mit tiefem Schmerze rufe ich mir zurück, daß in einer Rabbinerversammlung eine Frage zur Abstimmung kommen konnte, eine Frage sogar durch fiel, die einen mit religiösen Interessen des Judenthums auf's innigsteverwachsenen Gegenstand behandelte und von den Religionsführern des Volkes dochzumeiit inSchutz genommen werden mußte. Die Frage: ״ob, wenn auch keine gesetzliche, doch eine objective, d. i. eine aus dem religiösen Moment hervorgehende Notwendigkeit zur Beibehaltung des hebräischen Elements beim Gebete sich finde,“ wurde, als man die praktische Seite einer derartigen Erörterung in Frage stellte, dahin erklärt, daß es sich hier darum handle, ob die Rabbiner streben sollen, daß was für setzt — nach der Berrathung hierüber — noch Hebräisches im Gebete beibehalten werden wird, zu bewahren, dem Hebräischen sein Recht einzuräumen, oder ob die Beibehaltung nur eine rathsame, d. i. eine in den Umständen der Gegenwart bedingte Concession sei und das Streben also dahin gehen solle, diese Rathsamkeit überflüssig zu machen, das Hebräische aus dem Gehete ganz zu entfernen. Vergebens war gezeigt worden, wie das Hebräische, dieses durch so viele Jahrtausende geheiligte Alterthum, dem Gebete Weihe und Erhöhung gebe, vergebens darauf hingewiesen, wie die hebräische Sprache als ein theures Kleinod, da in ihr die heiligen Urkunden niedergelegt sind, bewahrt werden müsse, bewahrt, daß nicht das Verständniß dieser heiligen Urkunden, wie einst den hellenistischen Juden, uns abhanden komme; vergebens hervorgehoben, wie, schwindet sie aus dem Gebete, sie sich endlich ganz verlieren, sie auch aus der L-chule verbannt und so abermals ein religiöses Element aus den schon ohnedies ziemlich gelichteten Bestandtheilen getilgt werde, vergebens wurde appellirt an das religiöse Gefühl (und dieses ist doch beim Gebet beachtenswerth!), das durch diese heiligen Töne sich erhöhet, geweckt fühlt; vergebens hervorgehoben, wie gerade in dem hebräischen Gebet ein Kennzeichen der Religionsgemeinde, die die Juden bilden, sich finde, an dem der Jude, unter welchem Himmelsstriche er dem Juden begegne, in ihm den Glaubensgenossen, in seinem Tempel sein Gotteshaus, in feinem Gebete das eigene wiedererkenne; vergebens der Einwurf, daß die Jugend nur mit Widerwillen das Hebräische erlerne, mit den einfachen Worten widerlegt, daß, wenn nicht die Eltern diesen Widerwillen nähren und wenn die Schule redlich für den Unterricht wirkt, dieses Hinderniß von selbst schwinde, und nun wurde auch solches an Beispielen nachgewiesen,- vergebens dargestellt, wie selbst für die weibliche Jugend das Verständniß der hebräischen Gebete, die doch nicht in zu großer Zahl beibehalten werden sollen, erleichtert werden kann; vergebens wurde zum Schlüsse auf die Innigkeit, auf die religiöse Kraft und Weihe des hebräischen Gebetes und die Erhebung in ihr hingewiesen: die Majorität der Rabbinerversammlung entschied dasür, daß das hebräische Gebet nur rathsam sei, die Aufgabe'der Rabbiner, es allmählig ganz zu entfernen. — Von einem solchen Beschlüsse weiche ich nicht nur nach einer Verschiedenheit der Ansicht, sondern nach der Verschiedenheit der Tendenz ab. Dieser Geist, der so viele wichtige Elemente unbeachtet läßt, der das, was in jeder Konfession Gewicht und Kraft hat, das Historische, vordrängt, ist in meinen Augen nicht der der Erhaltung, sondern der der Zerstörung des positiv-

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