Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 119)
- Language
- German
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110 ihm zur Seite stand sein edler Freund, der VorsteherderGemeinde, vr.BernhardBeer, dessen ״Lebensbild" F. in der ״Monatsschrift" 1862 deröffentlichte — einen solchen Aufschwung, daß der Cultusminister von Wietersheim i. I. 1846 in der zweiten Kammer erklärte: ״Er kenne in Sachsen keine Gemeinde von 7—800 Seelen, welche so viel für den Cultus und für die Verbesserung des Unterrichts leiste, als die israelitische Gemeinde zu Dresden"; auf seine Befürwortung wurden der Gemeinde 400 Thaler jährlich aus Staatsmitteln zum jüdischen Cultus- und Schulwesen bewilligt. Frankel hing auch mit solcher Liebe an seiner Gemeinde, daß er, als er im Jahre 1843 zum Oberrabbiner nach Berlin — unter Bestätigung der preußischen Regierung — gewählt wurde, diese Berufung unter Veröffentlichung eines offenen Sendschreibens an den damaligen preußischen Cultusminister Eichhorn, worin er die staatliche Anerkennung des Iudenthums in Preußen mit Freimuth forderte, ablehnte. Frankel blieb in Dresden bis zum Jahre 1854, wo er dem für die Fortentwickelung des deutschen Iudenthums so bedeutungsvollen Rufe als Director des ״jüdisch-theologischen Seminars in Breslau" folgte. Bevor wir ihm nach Breslau folgen, haben wir Frankels r eligöse Stellung innerhalb der in den vierziger Jahren so hoch gehenden Reformbestrebungen kurz zu characterisiren. Wir Ihnen das am liebsten mit seinen eigenen Worten, indem wir hier den Brief abdrucken, in welchem er seinen Austritt aus der zweiten, in Frankfurt a. M. im Juli 1845 tagenden Nabbinerversammlung motivirt. Derselbe, in mancher Beziehung noch heute, nach 36 Jahren, für viele Gemeindevorstände, (die gerade jetzt wieder, durch das antisemitische Stichwort,^״die Juden sind keine Deutsche" sich gedrängt glauben, den öffentlichen Gottesdienst deutsch zu gestalten, und das Hebräische möglichst daraus zu verdrängen) von maßgebender Bedeutung, ist an das Präsidium der Versammlung gerichtet und lautet wie folgt: ״Die Erhaltung des Iudenthums ist das innerste Element meines Lebens und das Ziel aller meiner Bestrebungen, dem ich von meiner Seite jedes Opfer zu bringen bereit bin, sowie ich von der anderen mich mit Tendenzen, i>te das Gegentheil herbeiführen, in einem nie auszugleichenden Widerspruche befinde. Ich brachte schon in der zweitenSitzung den 16.d. Mts. die Prinzipienfrage zur Sprache, damit man sich untereinander verständige und über den Geist der Versammlung zur Klarheit komme; doch wurde auf diesen Punkt nicht näher eingegangen. Die gestrige Sitzung führte zu einem Resultate,