Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 117)
- Language
- German
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108 Staatsregierung durch Königliches Decret vom 13. November 1836, ״die Erwägungen und Vorarbeiten, ob und welche veränderte Gesetzgebung über die Verhältnisse der Juden angemessen seien, seien noch nicht so weit gediehen." Hierdurch waren alle bisherigen Bemühungen in Frage gejMt. Da trat Frankel auf, suchte eine Audienz beim Kronprinzen, dem nachmaligen Könige Johann, nach und stellte demselben das Betrübende der Lage der israelitischen Gemeinde vor. Er schloß mit den mannesmuthigen Worten: ״Die von mir vertretene Gemeinde hat nur Eines, worauf sie ihren Anspruch begründet: das Recht, das auch im Schwachen geehrt werden muß." Der Kronprinz versprach ihm, mit seinem Bruder, dem Könige, über diese Angelegenheit zu sprechen. Denkwürdig ist auch seine Audienz beim Minister des Innern von Nostiz, über die er selbst (in seinem: ״D1\ B. Beer, ein Lebens- und Zeitbild." 1863) berichtet: ״Ich stellte ihm in eindringlichen Worten die unbegrenzte Bestürzung der Gemeinde vor und machte namentlich auf die Härte des bestehenden Gesetzes aufmerksam, das den Juden das Meisterrecht zu erlangen nicht gestattet. Der Staat spricht bei jeder Gelegenheit die Absicht aus, die jüdische Jugend vom Schacher ab- und dem Handwerk zuzuführen, und räumt dem Juden nicht die Befugniß ein, ein Handwerk auszuüben?" ״Aber sie können es doch im Auslande üben?" ״Ew. Excellenz sind Familien- Vater?" fragte ich, und als dieses bejaht wurde, fügte ich hinzu: ״Würden Sie in dem Gedanken Beruhigung finden, Ihren Sohn in Künsten und Wissenschaften in der alleinigen Aussicht erziehen zu lassen, daß Sie ihn einst werden von sich weisen müssen, er Sie einst als die Veranlassung seines Umherirrens in der Fremde ansehe, da er in seinem Vaterlande durch die von Ihnen ihm gegebene Erziehung keinen Wirkungskreis findet, der Vater die unmittelbare Ursache ist, daß er aus Vaterland und Vaterhaus ausgestoßen wird? Und der Jude, wo findet er ein neues Vaterland, welcher Boden nimmt ihn freundlich aus?" Der Minister war bei diesen Worten gerührt, äußerte, er habe das Elend der jüdischen Jugend nicht in solcher Weise gedacht, und gab mir die tröstende Versicherung, es werde noch auf diesem Landtage eine Gesetzesvorlage an die Kammern in Betreff der Juden gelangen. ״So war es mir — schließt Frankel den interessanten Bericht, — Dank der Vorsehung, gestattet, den Niedergeschlagenen Trost zu bringen."