Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 107)
- Language
- German
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98 ח rj und Erkenntniß, in der Begeisterung für das Erhabene und Schöne» y Das Ideal, welches sich in diesem Bunde darstellt, ist allerdings nicht für k Jedermann erreichbar, nicht einmal faßbar. Die Edelsten und Besten unter allen Nationen aber werden zu allen Zeiten in diesem Freundh 1 schaftsbunde eine welthistorische Bedeutung erblicken. In der That t 1 -waren Lessing und Mendelssohn die Erwecker des Morgens, dem endj] l lich die finstere Nacht des Mittelalters Weichen mußte. \ f Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet hielt ich mich berechtigt, von der in den Lehrbüchern der Geschichte angenommenen Grenzscheide zwischen dem Mittelalter und der neueren Zeit abzusehen23) und meine gegenwärtige Darstellung, die sich nach der Ueberschrift nur auf das Mittelalter beziehen sollte, mit diesen unsterblichen Namen zu schließen. — Der geneigte Leser wird mir allerdings einen traurigen Hinweis auf die neueste Zeit entgegenhalten, daß noch immer nicht das Mittelalter gewichen sei. Und man möchte dies fast glauben, wenn man auf die jüngsten Erlebnisse hinblickt, in denen sich das ganze Mittelalter wieder zeigt, mit seiner Anschauung, in seinen Reden und — sogar sich durch seine Thaten fühlbar macht. Allein wir wissen, daß dasjenige, welches die Anführer und die von ihnen Verführten im Plane haben und anzustreben sich bemühen, nicht aus dem ächten Geiste der deutschen Nation entspringt. Der Genius Deutschlands hüllt sich in tiefe Trauer darüber, daß eine solche Verwirrung der Begriffe entstehen und zu solchen beklagenswerthen Consequenzen führen konnte. In der That muß sich Deutschland vor den anderen Culturvölkern schämen, wenn man ihm vorhält, wie in seiner Mitte während des letzten Viertels im 19. Jahrhundert die finstern Schatten des Mittelalters wieder heraufbeschworen werden konnten. Es ist dies um so betrübender — auch die Juden fühlen dies, als Deutsche nämlich, als Söhne des gemeinsamen Vaterlandes, — da im Auslande der gesummten deutschen Nation als Makel angerechnet wird, was Einzelne in ihrer Verwirrung verschuldet haben. Doch ein Dreifaches ist uns zum Tröste geblieben: Es lebt ein Gott, der, um mit dem Psalmisten zu reden, vernichtet alle Lügenredner, der den Mann der Blutgier und der Falschheit verabscheut. Ferner: Der gute Geist der deutschen Nation geht nicht unter und wird trotz aller Gegenbemühungen der Wahrheit und Gerechtigkeit endlich zum Siege verhelfen. Drittens: Wir stehen unter der weisen und gerechten Regierung eines Fürsten, in dessen H t Ii f i! i ii t b C \ j- 3 2 ii b 3 l i 1 t 5