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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1881-01-01 · 5642 = 1882, 4. Jahrgang · p. Seite 97

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5642 = 1882, 4. Jahrgang
Date
1881-01-01
Page
Seite 97 (sequence 106)
Language
German
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97 lehrreiche Einzelheiten. In einem Briefe beklagte sich Unger darüber, daß man so wenige historische Handbücher unter den Juden finde, in denen ihre Geschichte systematisch nach den verschiedenen Zeiten und Ländern mitgetheilt ist. Cantarini antwortet hierauf, es komme daher, weil die Juden nach allen Gegenden hin zerstreut sind, auch keinen festen Wohnsitz dauernd behalten. Heute seien sie hier, morgen bereits fortgedrängt und verstoßen, aller Zier beraubt. Hierzu kommt noch das Elend und die Armuth, worunter sie seufzen, und wodurch sie von geistiger Arbeit dieser Art abgehalten werden. Aber trotzdem seien viele historische Bücher geschrieben, aber aus Furcht ungedruckt geblieben, wie das die Leiden der Juden erzählende Buch Emek-Ha- Bacha?2) Auch die Denksteine, welche die Gräber umgeben, sind sehr oft zerstört worden, wodurch ein großes Material für die Geschichte verloren gegangen ist. — Zur Charakteristik Cantarinis wird folgende Bemerkung dienen. Unger hatte ihm geschrieben, daß er das Geld für die erhaltenen Bücher einsenden wolle. Darauf antwortete Cantarini: Bezüglich der Auslagen für die gesandten Bücher oder die besorgten Abschriften werde ich keineswegs drängen. Dagegen werde ich immer erfreut sein, Ihre Befehle auszuführen; doch wollen Sie keineswegs in gleicher Weise verfahren (ואל ידרוש סמוכים אם אבקש), wenn ich Sie ersuche, für mich die medicinischen Werke des Bontius, aber die neueste Ausgabe, zu kaufen. Diese Bücher finden sich hier nicht; Sie wollen sie verpackt mit den anderen Schriften nach Venedig an die bezeichnet Adresse senden. Bemerken Sie zugleich Ihre Auslagen, damit ich sie sofort erstatte. Cantarini schließt seinen Brief: Somit beendige ich meine Worte; doch nicht so meinen Wunsch, Ihnen gefällig zu sein, und meine Bitte, daß Sie meiner in Güte stets eingedenk sein mögen. So befehle Gott Ihnen Seinen Segen! — Wie könnten wir nun diese Beispiele von persönlichen Beziehungen zwischen Christen und Juden würdiger und angemessener schließen, als mit dem einfachen Hinweise auf — Lessing und Mendelssohn. Viel mehr als wir bisher in der Geschichte persönlicher Beziehungen zwischen Christen und Juden gefunden haben, wird uns bei der Nennung dieser zwei Namen vorgeführt. Es ist die erhabenste Freundschaft, welche Beide auf's Innigste mit einander und für einander verband — eine Freundschaft, welche sie ein ganzes Menschenalter Pflegten, und in der sie sich vereinigten im Streben nach Wahrheit Meyer, Jllustrirter Jüdischer Familien-Kalender für 5642. 7

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