Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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95 Gelehrten nicht gerade durch die ausschließliche Liebe zu hebräischen und biblischen Studien geknüpft worden ist. Es ist David Gans (geb. 1541 in Lippstadt in Westphalen, gest. 1613 in Prag), der erste deutsche Jude, der historische und mathematische Studien gemacht hat und auf diesen Gebieten auch schriftstellerisch thätig war. Er las lateinische Werke, hatte überhaupt eine zu jener Zeit seltene profane Bildung erlangt. Gans stand mit astronomischen Berühmtheiten, wie Johannes Müller, Keppler und Tycho de Brahe in Verbindung. Für Letzteren übersetzte er einen Theil der Alfonsinischen Tafeln aus dem Hebräischen ins Deutsche. Diese Tafeln haben ihren Namen von Alfons dem Weisen, der sie (1260) von Isak ibn Sid, Vorbeter in Toledo, anfertigen ließ. David Gans, obgleich von der Richtigkeit des Ptolemäischen Weltsystems bei Weitem nicht mehr so fest überzeugt, wie z. B. Isaak Israeli in Toledo, (verfaßte 1310 das astronomische Werk Iesod Olam) legte dasselbe doch seinen Arbeiten zu Grunde, unterläßt aber nicht, sowohl das zu seiner Zeit noch der allgemeinen Anerkennung entbehrende Kopernikanische System und das des Tycho de Brahe, sowie Spuren von ihnen nahekommenden Ansichten, die er in alten Autoren gefunden, anzuführen.") Folgendes Antwortschreiben,20) welches wir allerdings mehr dem Sinne nach als wörtlich übersetzt hier mittheilen, wird einen neuen Beitrag für die Aufgabe sein, welche wir uns in der gegenwärtigen Darstellung gestellt haben. Dieses Schreiben, von dem das hebräische Original in der Rathsbibliothek zu Leipzig aufbewahrt wird, ist vom 3. Februar 1660 aus Hollischau datirt und von Sabbatai Kohen, dem berühmten Commentator zu einem Theile des Schulchan Aruch (nach seinem Werke שפתי כהן der שך genannt) gerichtet, an Den, ״der eine Ecksäule ist, ein Prüfstein, der Vernunft erworben, den Anmuth umgiebt, der mein Herzensfreund ist, Philosoph, Magister, Valentini Widrich, Gott behüte ihn, bis Michael (der Großfürst, nach Daniel Kap. 12, V. 1) erscheint, er verweile in Frieden, von nun an bis in Ewigkeit! Heute kamen mir Deine lichtvollen, geehrten Zeilen zu, worüber ich mich sehr gefreut habe. Was bin ich vor Deiner Herrlichkeit, daß Du deine Hand auf mich gelegt hast, daß Du nach meinem Wohle Dich erkundigst, nach meinen Umständen frügst? Was Haft Du an mir gefunden, daß Du mein Schreiben zu sehen wünschest? Da ich doch nur jung und leer von Wissen