Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 100)
- Language
- German
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93 Lehrer und dem christlichen Jünger. Neuchlin nannte ihn nicht anders, als ״seinen Loans", dem er auch stetH treue Zuneigung bewahrte. An dem kaiserlichen Hofe hatte Neuchlin Gelegenheit, auch mit anderen gebildeten Juden zu verkehren. Einen zweiten Lehrer fand Neuchlin in Obadio Sforno, dem bekannten Commentator zum Pentateuch. Neuchlin genoß bei ihm den Unterricht im Hebräischen während seines Aufenthaltes in Nom (1498 —1500), wo er als Gesandter des Churfürsten von der Pfalz verweilte. — Neuchlin war in der Folge, als auf Anstiften Pfefferkorns den Juden ihre Bücher weggenommen werden sollte, als Sachkenner aufgefordert worden, sein Gutachten abzugeben. Er hatte es am 6. Oktober 1510 vollendet, und es ging an den mit der Angelegenheit betrauten Erzbischof von Mainz ab, um dann an den Kaiser zu gelangen. Reuchlin's Gutachten ist, wie Nanke (Deutsche Geschichte im Zeitalter der Neformation I) sagt ״ein schönes Denkmal reiner Gesinnung und überlegener Einsicht". Manches darin mag vor dem Forum einer kritischen Prüfung nicht bestehen; immerhin aber erklärt Neuchlin: über ihren (der Juden) Glauben habe, da sie nicht Christen seien, auch kein Christ zu richten, dafür seien sie Gott allein Rechenschaft schuldig. Sie seien weder Ketzer — wie blos abgefallene Christen heißen können —, noch habe man das Recht, sie treulose Juden zu nennm, sie seien vielmehr gleich den Christen des einigen römischen Reichs Mitbürger, sitzen mit ihnen in einem Bürgerrechte und Burgfrieden. Neuchlin erlebte es noch, daß der Kaiser ein neues Mandat erließ: den Juden die weggenommenen Schriften wieder einzuhändigen. Johannes Buxtorf,18) der Ahnherr des berühmten Gelehrtengeschlechtes dieses Namens, der vornehmste Begründer der rabbinischen Studien unter den christlichen Gelehrten, dessen Schriften aber noch heute selbst jüdischen Gelehrten nicht unwesentliche Dienste leisten, unterhielt mit gelehrten Juden aus den verschiedensten Ländern einen sehr regen Briefwechsel. Bei aller Mäßigkeit und Einfachheit hatte er eine Liebhaberei, die für jene Zeit als ein sehr kostspieliger Luxus bezeichnet werden muß, nämlich die selbstverständliche Liebhaberei für hebräische, besonders rabbinische Bücher. Die Hauptmasse seiner Bibliothek ist nachmals 1705 mit dem Zuwachs, den Sohn und Enkel beigefügt hatten, für 1000 Neichsthaler an die öffentliche Bibliothek zu Basel verkauft worden. Da ist es nun wohl begreif-