Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5642 = 1882, 4. Jahrgang
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 99)
- Language
- German
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92 schrift im 5. Buche Moses, Kap. 6 V. 9) für seine Burg, die er wahrscheinlich damit vor jeden Unfall zu sichern glaubt. Man bediente sich jüdischer Aerzte, trotz aller Kirchenbeschlüsse, die dagegen eiferten; selbst geistliche Fürsten hatten nicht selten jüdische Leibärzte und ließen sich nicht abhalten, trotz aller Verbote, die Schmerzen durch jüdische Recepte lindern zu lassen.") Einen Hähern Werth haben wir in dem Vorkommniß zu erkennen, daß man mitunter die Namen verstorbener Juden mit dem hinzugefügten Worte ״selig" anführte, so z. B. in einer Urkunde aus Frankfurt am Main aus dem Jahre 1377, worin es heißt: Salmanns seligen Kinder von Oppenheim. Eine solche Bezeichnung, durch welche also damals die später als ewig verdammten Wesen betrachteten Juden auch noch nach ihrem Tode den Christen gleich gestellt wurden, ist zwei und drei Jahrhunderte nachher schwerlich irgend einem Frankfurter Rathsherrn jemals in den Sinn gekommen.") — Ein dankbares Gedächtniß wird in einer jüdischen Quelle") auch einem Ortsvorsteher, mit Namen Oestreicher, bewahrt. Derselbe, gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts im Schwabenland fungirend, wird als ein Beamter gerühmt, der stets gerecht und unparteiisch sein Amt verwaltet habe und niemals Ungerechtigkeiten gegen die jüdischen Mitbürger aufkomnien ließ. Wir vermissen aber besondere Einzelbeziehungen für Wissenschaftliche Zwecke, wie wir sie bisher kennen gelernt haben. Es liegt dies natürlich darin, daß der Standpunkt der Wissenschaften überhaupt, * den diese damals in den deutschen Ländern einnahmen, ein sehr niedriger war. Die geistige Wiedergeburt, welche sich erst spät in Deutschland kundgab, kennzeichnet sich auch darin, daß man jüdische Geisteskräfte nicht verschmähte, vielmehr mitbenutzte, wo es galt, die Wissenschaft zu fördern. Dafür können wir mehrere Beispiele anführen. .Zuerst ist Johann Neuchlin") zu nennen, der in seiner Liebe für die hebräische und jüdische Literatur keine Mühe, kein Opfer scheute, um mit den Trägern derselben, mit jüdischen Gelehrten, in näheren Umgang zu treten. Bei seinem Aufenthalte in Linz, am Hofe des greisen Kaisers Friedrich UI. (1492) lernte er den kaiserlichen Leibarzt und Ritter Jakob ben Iechiel Loans kennen, und dieser jüdische Gelehrte wurde sein Lehrer in der hebräischen Sprache und Literatur. Ein herzliches Berhältniß bestand seitdem zwischen dem jüdischen